Fasten next try 1

Fasten next try 1

oder wie ich eine Ehrenrunde im KH Zwettl einlege

Nach meinem halb gescheiterten Versuch im November 2021 in Marienkron, starte ich nun einen neuen im Waldviertel am Klosterberg. Es war nicht ganz einfach überhaupt einen freien Platz Ende März/Anfang April zu bekommen. Klosterberg war zunächst ausgebucht (wie immer im Frühling, wie ich mir hier sagen hab lassen), Pernegg ebenfalls – zumindest jene Fasten-Kurse, die ich gerne gemacht hätte – wie Fasten & Golf zum Beispiel. Das Biohotel Daberer in Kärnten ist geschlossen, weil es grad umgebaut wird. In der Fastenbranche müsste man sein!

Am Montag dann der überraschende Anruf: Es ist jemand ausgefallen, ich kann am Donnerstag anreisen! Allerdings nur ein weniger schönes Zimmer. Keine Zeit, großartig nachzudenken. Gut so.

Die Fahrt nach Langschlag zaht sich. Beinahe werde ich nervös, weil ich keinen Pass mithabe und gefühlt jeden Moment die Grenze überquere. Stimmt natürlich nicht. Nach 1h45 durch leider noch sehr braune Landschaft mit gelben Klecksen (Forsythie) komme ich doch an. Bin erstaunt wie groß Langschlag ist… (Wie ich später erfahre, gibt´s hier sogar eine Rot Kreuz Station!)

Das Hotel

Foto: Daniel Zangerl

Hell, freundlich, naturnah mit vielen Pflanzen. Großzügige Aufenthaltsräume, die Mitarbeiter:innen extrem freundlich – mit allen per du.

Mein Zimmer ist – wie angekündigt – ok. Die Tatsache, dass ich keinen Balkon habe, ist insofern nicht schlimm, als es eh seit meiner Ankunft, also seit 4 Tagen, regnet (stimmt faktisch nicht, es sind nur drei, davon der Tag, den ich zu zwei Drittel im Krankenhaus verbracht habe.). Der Vorteil: Mensch verbringt ohne Reue viel Zeit im wirklich sehr schönen Wellnessbereich. Es gibt zwei Saunen, eine davon für mich weil nur 60 Grad, ein riesiges Schwimmbecken, nicht für mich, weil ich nur bade und nur sehr ungern schwimme. Ein Dampfbad, da war ich noch nicht aus Kreislaufgründen, eine Infrarotkammer, eine Salzgrotte und herrliche Liegebereiche. Seit neuestem gibt es hier auch diese Schaukelliegen, in denen mir im Nu schlecht wird. Aber sie sehen sehr schön aus!

Gesundheitshotel Klosterberg außen
Foto: Daniel Zangerl

Der Plan…

…wäre gewesen 10 Tage Tee- und Saftfasten. Ich habe diesmal schon ein bisschen vorgefastet, um nicht ganz so unsanft runterzukrachen. Allerdings habe ich am Donnerstag noch gut mit dem Mann gefrühstückt und – ich gestehe – einen Kaffee getrunken. Hier gibt es als erste Mahlzeit zu Mittag noch gekochte Kartoffeln mit gemischtem Gemüse – eine ordentliche Portion, die ich nicht ganz aufesse. Dazu trinke ich jetzt schon viel Tee. Am Nachmittag gehe ich in das super ausgestattete Fitnesscenter für 1 Stunde Cardiotraining am Stepper. Abends (Pensionistenheim-Zeit) gibt´s eine Suppe. Meine Tischnabarinnen sind sehr nett und wir habens gleich lustig. Alles scheint gut.

Die Wirklichkeit…

…spielt sich anders ab: Ich lese. Die Zeit vergeht. Ich lese. Ich habe seltsames Herzklopfen. Ich lese. Es beginnt irgendwo zu Rauschen. Ich halte mein Ohr an die Wand meines Zimmers, muss aber feststellen, dass das Rauschen in mir ist. Meine Oberschenkel beginnen sich immer wieder zu verkrampfen. Ich mache eine Entspannungsübung und lese weiter. Mir wird schlecht. Ich stehe auf, öffne das Fenster, atme tief ein und aus. Es ist 23h, im Hotel ist alles ruhig, die Rezeption schon lange nicht mehr besetzt. Im Bademantel schleiche ich durch die Gänge und suche den Fitnessraum, dort gibt es ein Blutdruckmessgerät. Der Fitnessraum ist versperrt. Ich google und lese was von Schlaganfall. Wenn man Sehstörungen hätte, müsse man unbedingt SOFORT die Rettung rufen. Mir poppen die Augen aus den Höhlen. Ich erinnere mich an die Beschreibung Joachim Meyerhoffs Schlaganfall in „Hamster im hintern Stromgebiet“ und will die Rettung rufen.

Doch wie peinlich ist das denn mitten in der Nacht, mitten im Waldviertel, in einem Hotel am ersten Abend die Rettung zu rufen?!?

Meine Backen sind rot, die Augen auch. Ich zittere. Es ist ein Uhr nachts und ich rufe 1450 an – geht übrigens auch in NÖ. Nach ein paar gezielten Fragen sagt der sehr sachliche Mensch am Telefon: Ich schicke ihnen die Rettung. Ich wecke telefonisch den Hotelchef – extreme Scham -, ziehe mich an, packe Telefon, Akku und Buch in die Handtasche und tapse in die dunkle Lobby. Und da sind sie schon. Ich bin erleichtert, dass die Hoteltüre aufgeht wie angekündigt. Im Krankenwagen wird mein Blutdruck gemessen: 180 zu irgendwas. Und ab geht´s nach Zwettl, denselben Weg zurück, den ich ca. 12h vorher gefahren bin.

Im Krankenhaus herrscht totale nächtliche Ruhe. Auf der internen Abteilung kümmern sich 3 Frauen sehr freundlich um mich. Mir wird Blut abgenommen, der Blutdruck ist mittlerweile auf 165 gesunken. Ich werde stationär zumindest über diese Nacht aufgenommen. Ich bekomme ein Beruhigungsmittel (Scham). Im Bett neben meinem schläft eine 88-Jährige (wie ich ein paar Stunden später erfahre), die immer wieder Atemaussetzer hat und dann lautstark nach Luft schnappt. Immer wieder fiepst und piepst es. Auf meiner anderen Seite liegt Gertrude, die 7 Kindern, 9 Enkerln, die alle „was wurn san“, hat. Ich weiß jetzt von allen was sie wurn san, und wo sie gelernt haben, wo sie jetzt leben und arbeiten und natürlich die Vorgeschichte der Gertrude, die den ganzen Ort schockierte, weil sie 6 Monate nach der Hochzeit schon das erste Kind gebar! „Jo die Liebe woar hoit groß!“)

Shortcut: Ich fuhr am Nachmittag desselben Tages wieder ins Hotel zurück, wieder mit der Rettung mangels Taxi oder öffentlichem Verkehr. Der Arzt riet mir vom Fasten ab („Mir krieagns dann immer die von da oben.“), sagte mir aber eindringlich, dass ich unbedingt zum Gemüsefasten wechseln solle, wegen der Elektrolytverschiebung – kenn ich ja schon aus 2021. Also wieder nix mit nix essen. Ich werde es auch in den nächsten Jahren nicht mehr probieren. Mein Körper (oder Kopf?) schafft das offenbar nicht. Obwohl ich meinem Darm wirklich mal eine Erholungspause gönnen wollte. So mit gar nix tun. Naja. Dafür beneiden mich jetzt meine (ex-)Tischnachbarinnen, wenn ich morgens eine Apfel-Heidelbeermus bekomme oder gestern „Abend“ (i.e.16.30h) einen Borschtsch. Ich dope mich mit Natriumchlorid, Kalium und Magnesium und hoffe, dass ich die verbleibende Tage auch irgendwie genießen werde können.

Foodporn nur eingeschränkt möglich, weil das Handy meisten am Zimmer bleibt…

Chili-Kreuzkümmel-Karotten auf Erbsen-Kartoffelpurée und Chinakohlsalat mit Erdnussdressing*
Apfelmus-Heidelbeer-Mus

*Es ist schon klar, dass es sich hier um Marketing-Bezeichnungen handelt! Kein Salz, kein tierisches Eiweiß, kein sonstwas Ungesundes. Das heißt, es schmeckt schon sehr anders, als der Name suggeriert!

Topfenauflauf – wenig Kalorien, wenig Arbeit, viel Geschmack

Topfenauflauf – wenig Kalorien, wenig Arbeit, viel Geschmack

Zutaten für 4 Dessertportionen oder 2 Hauptspeisen

4 Eier
50g Kokosblütenzucker
250g Topfen 20%
70g Mehl (ich hab glutenfreies Mehl genommen)
Mark 1 Vanilleschote oder 1 Packung Vanillezucker
1 EL Honig
1 EL Kristallzucker
1 EL Butter
1 TL Backpulver

Zubereitung

Eier trennen, Eiweiß zu Schnee schlagen. Dotter mit Zucker, Vanille schaumig schlagen. Mehl (bei glutenfreiem empfiehlt sich, es hineinzusieben), Backpulver, Topfen einrühren. Eischnee drunterheben.

Butter in einer beschichteten, ofenfesten Pfanne schmelzen, EL Honig & EL Kristallzucker karamellisieren lassen (muss nicht sein, kann man auch weglassen). Teigmasse einfüllen und im Rohr bei 180 Grad Umluft goldbraun backen.

Mit Apfelmus, Marillen- oder Zwetschkenröster servieren.

Ich mache den Topfenauflauf auch manchmal wie Kaiserschmarren in der Pfanne. Dann müsst ihr ihn allerdings überwachen und beizeiten umdrehen.

Elisabeth Lechner, Riot, don´t diet!

Elisabeth Lechner, Riot, don´t diet!

Autor*innen sind im Normalfall ja nicht greifbare, beinahe mystische Wesen, deren tatsächliche Existenz für die gemeine Leserin mitunter durchaus fraglich ist: Welcher echte Mensch schafft es schon, ein ganzes Buch zu schreiben? (Wo ich doch schon an manchen Sätzen scheitere?) Welcher echte Mensch hat so schlaue Gedanken? Wer kann so eine gute Geschichte konstruieren? Wer kann so unglaublich (sic!) gut formulieren, hat so einen Witz, weiß so viel, hat so ein Durchhaltevermögen, etc…

Elisabeth Lechner – also Dr. Elisabeth Lechner, BA BA, MA MA – ist allerdings die leibhaftige Beweis für die Existenz solcher Wesen: Ich konnte sie nicht nur persönlich hören und sehen, sondern auch schon umarmen! (Und das in virologisch bedenklichen Zeiten!) Es gibt sie also wirklich, die blitzgescheiten, witzigen Autor*innen! Zudem ist Eli Lechner auch noch sehr eloquent und trägt mitreißend vor. Soll heißen: Lest nicht nur ihr Buch, sondern geht zu einer Veranstaltung, bei der sie spricht!

Mir war das zuletzt gegönnt bei der Auftaktveranstaltung der #somec22 der Social Media Conference der Grünen Wirtschaft. Diese jährlich stattfindende Konferenz, die meine Kollegin Bobby Hermann-Thurner organisiert, widmete sich Ende letzten Jahres (u.a.) dem Einfluss des Äußeren auf den (beruflichen) Erfolg. Und da kam Eli Lechner als Key-Note-Sprecherin mit ihrem Buch Riot, dont diet, mehr als recht!

Aufstand der widerspenstigen Körper

Riot, don´t diet ist der (populär)wissenschaftlich Aufschrei gegen (patriarchal-kapitalistische) Schönheitsnormen. Lechner macht bewusst, wie wir uns – mehr oder weniger freiwillig – dem Diktat dieser Normen unterwerfen, welche Formen der Diskriminierung daraus entstehen und wer davon profitiert.

Dick, alt, behindert, non-binär, Haare an der falschen Stelle = eklig! Eklig bedeutet aber natürlich auch weniger (bis keine) Repräsentation, weniger Chancen im Beruf, versteckte bis hin zu offener Diskrimierung, im Extremfall sogar Morddrohungen!

Über diese Bestandsaufnahme hinaus geht die Kulturwissenschafterin der Frage nach, wie digitale Medien diese Einstellungen und Verhaltensweisen verstärken, bzw. ob nicht gerade erst dank dieser Vernetzung und gemeinsamer Kampf möglich wird.

Moralinsaure Vorträge sind Lechners Sache nicht. Ihr Schreibstil ist leichtfüßig, gespickt mit (manchmal sehr betroffen machenden) Anekdoten und vielen Referenzen.

Wer sagt(e) mir, was ich schön zu finden habe?

Mit einigen Themen des Buches habe ich mir richtig schwergetan. Natürlich bin auch ich geprägt durch jahrezehntelanges Brainwashing! Was, mein lebenslanger Kampf gegen Fettpolster soll nicht intrinsisch motiviert sein? Was, mensch kann auch mit 20 kg mehr glücklich sein!? Ich rasiere meine Achseln++ (also eigentlich alles außer Kopf- und Augenhaare) vielleicht gar nicht, weil ich das will, sondern weil es andere wollen? Alles Fragen, die mensch sich nicht gerne stellt. Auch will frau nicht gerne gesagt bekommen, dass „normschöne“, noch dazu weiße, noch dazu blondhaarige Menschen wie ich, extrem viele, einander verstärkende (= intersektionale) Privilegien genießen…

Tatsache ist, dass wir alle Menschen – auch uns selbst – zu sehr nach ihrem Äußeren beurteilen. Machen wir uns das bewusst. Treten wir mutig & laut gegen Diskriminierung auf. „Verschönern“ wir lieber unser Inneres – das strahlt nach außen!

Die so gewonnene Zeit und Energie benötigen wir ohnedies dafür, den Männern die Macht zu entreißen, und den Planeten zu retten!

Elisabeth Lechner
Riot, don´t diet
Kremayr & Scheriau, Taschenbuch, 2021
240 Seiten, 978-3-2218-01254-6

Erster Satz

„Es ist Zeit für eine Schönheitsrevolution, einen Aufstand der wiederspenstigen Körper!“

Drei Frauen über und als Mütter

Drei Frauen über und als Mütter

Sandra Gugić, Zorn und Stille
Andrea Roedig, Man kann Müttern nicht trauen
Isabel Allende, Violeta

Die Lektüre dieser Bücher hat wieder einmal vor Augen geführt, wieviel Glück ich mit meiner Mutter (und auch mit meinem Vater) hatte. Ich bin ihr so dankbar, dass sie mich so bedingungslos geliebt hat. Und das, obwohl sie selbst viel Gewalt in ihrer Kindheit und Jugend erfahren hat.

Darüberhinaus bin ich dankbar, dass ich in ein Land geboren wurde, in dem mich weder Krieg noch Not zur Flucht zwingen. Flucht ist immer auch Trauma. Die einen bewältigen es besser, die anderen schlechter. Und Fremdsein ist nur als Touristin ein angenehmer Zustand.

Toxische Männlichkeit in all ihren Ausprägungen spielen in allen (tragischen) Familiengeschichten eine wesentliche Rolle – selbst in „Man kann Müttern nicht trauen“. Diese autofiktionale Geschichte über den Zerfall einer Frau und damit aller Beziehungsgeflechte und Sicherheiten für die Kinder, ist die erschütterndste Erzählung. Vor allem, da sie aus der Perspektive des Kindes erzählt wird. Wie sehr sich die kindliche Liebe strapazieren lässt, wieviel Hoffnung auf ein wenig Zuwendung auch nach vielen Enttäuschungen vorhanden ist! Doch Roedigs Mutter ist dazu nicht fähig und diese Unfähigkeit Zurechtzukommen wird im Alkohol ertränkt.

Welchen Kraftakt es braucht, um da rauszukommen, kann ich mir gar nicht vorstellen.

Und dann ist das Herz. Wir spielen abends an einem Gasthoftisch Karten, Mau-Mau oder Ähnliches, und weil mir die Frabe fehlt, lässt Lilo (Anm.: die Mutter), diesen Satz fallen zu mir, im Spiel, im Ernst: „Du hast kei Herz net?“ Das trifft mich tief, es erschreckt mich, als wäre ich ertappt worden, ich lese das als klaren Vorwurf von ihrer Seite. Mutter und Tochter, hier ist die Grenze. Es fühlt sich an, als prallte da etwas zusammen, etwas in ihr und etwas in mir, das eine Mauer bildet, die zwischen uns steht.

Sandra Gugić, Zorn und Stille

Sandra Gugićs Familiengeschichte ist wesentlich distanzierter. Sie wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Aus der Sicht der Mutter, der Tochter und des Vaters. Eine serbisch-stämmige Familie, die Eltern sind nie wirklich in ihrer neuen Heimat angekommen. Auch sie geben ihre Traumata an ihre Kinder weiter. Diese entwicklen ganz unterschiedliche Strategien, damit umzugehen. Reden-schweigen; nehmen-geben; gehen-bleiben, gemeinsam-alleine. Die Figuren zerreissen und müssen sich neu zusammensetzen. Kann das gelingen? Und wenn ja, wie? Und was bleibt dabei auf der Strecke?

Es gibt einen Raum, in dem niemand im Besitz der Wahheit ist und jeder das Recht hat, verstanden zu werden.

Isabel Allende, Violeta

Stilistisch vielleicht das schwächste der drei Bücher, dafür eine mitreißende Geschichte erzählt von einer Frau, die hundert Jahre südamerikanische Geschichte erlebt hat. Und die zeigt, dass man auch im hohen Alter noch gescheiter werden kann. (Meine erste Allende, aber sicher nicht meine letzte.)

Bild von drei Büchern von Frauen
Sandra Gugić, Zorn und Stille, Hoffmann und Campe, 238 Seiten, 978-3-455-00976-6
Andrea Roedig, Man kann Müttern nicht trauen, dtv, 238 Seiten, 978-3-423-29013-5
Isabel Allende, Violeta, übersetzt von Svenja Becker, Suhrkamp, 400 Seiten, 978-3-518-43016-3

Erster Satz Zorn und Stille

Es geht hier nicht um mich.

Erster Satz Man kann Müttern nicht trauen

Man kann Müttern nicht trauen.

Erster Satz Violeta

Mein geliebter Camilo, mit diesen Seiten möchte ich dir ein Zeugnis hnterlassen, weil ich mir vorstelle, dass dich in ferner Zukunft, wenn du alt bist und an mich denkst, Dein Gedächtnis womöglich im Stich lässt, denn Du bist zerstreut, und mit den Jahren wird das nicht besser.

Linsenbraten mit Preiselbeeren – glutenfrei, vegan

Linsenbraten mit Preiselbeeren – glutenfrei, vegan

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Zutaten für 6 Personen

130g Linsen
1 (roter) Zwiebel gehackt (ich nehme – mittlerweile – lieber roten Zwiebel, weil ich den besser vertrage)
2 Knoblauchzehen gehackt
75g Haferflocken
2 EL Leinsamen
400g Kidneybohnen aus der Dose (abgewaschen, abgetropft)
100g Walnüsse
100g Sonnenblumenkerne (oder Pinienkerne)
120g Karotten gerieben
200g Champignons gehackt
Thymian, Petersil, Majoran
2 EL Tomatenmark
1 EL Senf
2 EL Sojasauce

Preiselbeeren
(Im Originalrezept wird der Braten mit einer Mischung aus 2 EL Preiselbeeren und 2 EL Ketchup 20 Minuten vor Ende der Backzeit bestrichen und damit glasiert.)

Zubereitung

Linsen weichkochen. Zwiebel und Knoblauch in 1 EL Öl anschwitzen, zur Seite stellen. Haferflocken und Leinsamen in der Küchenmaschine zu Mehl vermahlen, rausnehmen, zur Seite stellen.

Linsen, Knoblauch, Zwiebel, Bohnen, Nüsse, Kerne und 3 EL Wasser ebenfalls in der Küchenmaschine zerkleinern, aber nicht zu fein, dann bleibt der Braten luftig und „bissig“.

Masse in einer Schüssel mit dem „Mehl“, den Champignons, den Karotten und den Kräutern vermischen (ist recht zäh).

In einem kleinen Schüsserl Tomatenmark, Sojasauce, Senf verrühren und unter den Teig mischen. Alles nochmal salzen und peffern (ist aber schon recht würzig!) und wirklich gut verrühren!

Kastenform einfetten, Teigmasse hineinstreichen und bei 180G 50 Minuten backen. Das Rohr dann abschalten und den „Braten“ nochmal 20 Minuten ruhen lassen.

Beilagen

Großartig passen dazu echtes Kartoffelpurée und Erbsen. Oder auch Rote Rüben Salat, wobei ich dann die Preiselbeeren weglassen würde.

Abgewandelt nach einem Originalrezept aus „Zeit für Genuss“.

Guglhupf mit Maroni – saftig und nicht allzu kalorienreich

Guglhupf mit Maroni – saftig und nicht allzu kalorienreich

Maroni mal anders „verarbeitet“. Geht schnell und schmeckt ausgezeichnet.

Ich bin ja nicht so eine enthusiastische Kuchenbäckerin, aber gestern habe ich diesen Maroni-Guglhupf gemacht. Und weil heute Freunde zu Besuch kommen und der Guglhupf schon fast weg ist, habe ich am Vormittag auch noch diesen wahnsinnig guten Schokokuchen gemacht.

Guglhupf mit Puderzucker
Foto: Unsplash.com

Zutaten

125g Kastanienpüree (gibts beim BIlla in der Tiefkühltruhe) aufgetaut
120g Staubzucker
40g glattes Mehl (ich hab glutenfreies Mehl von Schär „Brotmix“ genommen)
1 KL Backpulver
40g Butter
7 Eier
1 Pkg Vanillezucker
80g geriebene Mandeln oder Haselnüsse (im Originalrezept stand „Lebkuchenbrösel“, hatte ich aber nicht)
1 Prise Salz

Zubereitung

Den Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Eigelb, die Hälfte vom Zucker, Vanillezucker, Salz schaumig rühren. Kastanienpüree, Backpulver, Mehl und Nüsse mischen. Eiweiß aufschlagen, nach und nach restlichen Zucker hinzufügen und ganz steif schlagen. Vorsichtig Eigelb-Zucker-Masse und Schnee mit der Maroni-Mehl-Masse vermischen. Am Ende zerlassene Butter hinzufügen und noch einmal langsam durchrühren.

Die Masse in eine Silikon-Guglhupfform füllen (oder in eine eingefettet normale) und ca. 45 Minuten backen.

Geht sehr gut ohne Schlagobers weil sehr saftig. Geht aber auch sehr gut mit Schlagobers 😊

Marokkanisches Gemüse aus dem Backofen – vegan, gschmackig, mit einem Hauch von Urlaub

Marokkanisches Gemüse aus dem Backofen – vegan, gschmackig, mit einem Hauch von Urlaub

Bild: Natalyia Chernorot Pumpkins of different shapes drawn in one line isolated on white background. Sketch. Autumn. Thanksgiving day. Halloween. Contemporary art. Vector illustration.

Zutaten für 3-4 Personen

1 mittelgroßer Butternuss- oder Hokkaidokürbis würfelig geschnitten
3 EL Sonnenblumenöl
2 geviertelte rote Zwiebel oder Schalotten
3 Knoblauchzehen ein bisschen gequetscht (müssen nicht geschält werden)
1 Karotte in relativ dicke Scheiben geschnitten
1 große Süßkartoffel geschält und würfelig geschnitten
1 Handvoll getrocknete Marillen (die nicht weglassen!)
1 unbehandelte Zitrone geviertelt
400g Kichererbsen aus der Dose oder dem Glas
Kerne 1 Granatapfels
10 Pistazienkerne grob gehackt
1 TL gemahlener Kreuzkümmel
1/2 TL Kurkuma
1/2 TL gemahlener Koriander
1 Chili
Yoghurt, frische Petersilie

Zubereitung

Das Backrohr auf 190 Grad Ober/-Unterhitze vorwärmen. Gewürze bis auf Petersilie mit dem Öl gut vermischen. Zitronensaft über dem Gemüse auspressen, Zitronenschalen, Marillen, abgetropfte und gewaschene Kichererbsen unter das Gemüse mischen. Das Gemüse in einer Auflaufform oder direkt am Backblech mit dem Gewürzöl würzen. Ca. 40-50 Minuten im Rohr braten. Zwischendurch immer mal wieder umrühren bis alles wirklich schön gebräunt ist. Mit Meersalz, Pfeffer und Petersilie würzen, mit Granatapfelkernen bestreuen und mit Yoghurt (je nach Geschmack mit Zataar würzen) servieren.

(Abwandlung nach einem Rezept aus dem Biomagazin.)

Olga Tokarczuk, Gesang der Fledermäuse

Olga Tokarczuk, Gesang der Fledermäuse

Vielen Dank für die Empfehlung (und die Leihgabe) an Ines.

Den Roman einer Nobelpreisträgerin zu loben, könnte Eulen nach Athen tragen bedeuten. Doch ich habe bisher noch nie eine dermaßen prominent ausgezeichnete Autorin* besprochen. Die meisten sind mir – Achtung Triggerwarnung für Bildungssnobs – zu anstrengend. Oder sie wurden mir in der Schule vermiest. Oder es sind Männer, denen ich keine zusätzliche Aufmerksamkeit mehr schenken will, da ich keinen Beitrag mehr zum Genderbias leisten will. (A propos Genderbias: Stell dich doch mal vor dein Bücherregal und zähle, wieviele weibliche und wieviele männliche Autor:innen vertreten sind…)

Warum es der Gesang der Fledermäuse in meinen Blog geschafft hat (ich bin mir der Selbstüberschätzung dieser Formulierung durchaus bewusst), liegt schlicht daran, dass es mich wirklich gut unterhalten hat: Ein spannender Plot (wobei „ungemein spannend“ wie am Buchrücken beschrieben, halte ich für übertrieben), eine großartig verschrobene Protagonistin, Gedanken, die zwischen Witz und Weisheit oszillieren. Nahezu auf jeder Seite ein Satz, den man jemandem vorlesen (was schwierig ist angesichts der Tatsache, dass ich immer abends im Bett lese, wenn mein Mann bereits schläft…) oder zumindest unterstreichen möchte.

„Viele Männer erkranken mit fortschreitendem Alter an Testosteron-Autismus, was mit einem langsamen Schwinden der sozialen Intelligenz und einem zunehmenden Unvermögen, was zwischenmenschliche Kommunikation betrifft, einhergeht und auch das Formulieren von Gedanken beeinträchtigt.“

Zunächst dachte ich, Olga Tokarczuk käme aus der Ukraine. Die Szenerie erinnerte mich stark an Tanja Maljartschuk. Doch Tokarczuk kommt aus Polen. Dort spielt auch Gesang der Fledermäuse. Am Hochplateau, an der polnisch-tschechischen Grenze, wo auch die Autorin ihre Sommer verbringt, lebt Janina Duszejko. Die (ehemalige) Lehrerin widmet sich der Astrologie (das sind die Teile des Buches, die ich am wenigesten mochte) und den Werken des Dichters William Blake. Sie hütet die Häuser der Städter:innen, die nur im Sommer die Kühle dieses abgeschiedenen Ortes genießen. Janina ist alt, wie alt erfahren wir nicht. Obwohl sie die Natur liebt, leidet sie unter ihr: Im Sommer plagt sie eine Sonnenallergie, im Winter der grimmige Wind. Dennoch streift sie stundenlang umher, beobachtend, ja fast lauernd, wie die Jäger, die Janina ob ihrer Grausamkeit verachtet. Sie selbst zieht der Gesellschaft der Menschen – nur wenige lässt sie an sich heran – jene der Tiere vor. Als ihr Nachbar, den sie Bigfoot nennt, eines grausamen Todes stirbt, muss sie sich allerdings genau unter jene mischen, die sie zu vermeiden sucht. Ihre Begegnungen mit den Männern der Umgebung entblößt eine Welt der Ignoranz, der Respektlosigkeit und der Korruption. Man versteht immer besser, warum das karge, einsame Leben eine wohltuende Alternative darstellt. Aber wie lange, wird es diesen Außenseiter:innen gelingen, ihre Lebensweise beizubehalten? Haben sie eine Wahl oder ist ihr Schicksal nicht ohnedies von den Sternen vorgezeichnet?

„Der riesige Baum, schief und löchrig, steht schon seit Jahrhunderten und ist nicht gefällt worden, weil man nichts und wieder nichts aus ihm hätte machen können. Dieses Beispiel sollte diejenigen ermutigen, die so sind wie wir. Jeder kennt den Gewinn, den er aus dem Nützlichen ziehen könnte, aber keiner kennt die Vorteile des Unnützen.“

Mit Gesang der Fledermäuse stellt Olga Tokarczuk unter Beweis, dass ausgezeichnete Literatur auch unterhaltsam sein darf. Große Leseempfehlung!

Olga Tokarczuk
Gesang der Fledermäuse
Übersetzt von Doreen Daume
Kampa Pocket, 308 Seiten 978 3 311 15003 9

Erster Satz

„Mein Alter und auch mein Zustand erfordern es mittlerweile, dass ich mir vor dem Zubettgehen ordentlich die Füße wasche, für den Fall, dass ich in der Nacht von einem Krankenwagen abgeholt werden muss.“

*Männer sind mitgemeint.