Never trust your Navi. Wissen wir eh schon aber Stadtplan hamma keinen…Unser Plan ist, in Sarajevo einen bestimmten Campingplatz hoch über der Stadt zu finden. Sarajevo war einfach. Der Rest dann nicht so.
Das Navi lässt uns von einer eh schon schmalen Straße steil bergauf abbiegen. Es wird stieler, enger, noch enger, die Hausmauer haben schon Farbstreifen. Und dann schaffts der Bus nur ganz knapp, mit durchdrehenden Reifen grad mal so den Hügel hinauf. Schweiß, Herzrasen. Der Ton im Auto wird lauter. Nach hinten wegrutschen ist definitiv keine Option.
Nein, hier können wir nicht weiterfahren. Also irgendwie wieder runter. Das Navi besteht auf die engen Gassen, wir nicht. Wir suchen einen anderen Weg, finden einen, wieder die enge Gasse nur von der anderen Seite…
Zwischendurch ein neues, komisches, nicht erwünschtes Geräusch von rechts hinten. Kümmern wir uns später drum…
Nach eineinhalb Stunden Rumkurverei, mit 3 Navis (Google, Bus, Apple Maps) gelingt es uns, den richtigen, den für Busse fahrbaren Weg zu finden. Wir entspannen uns und Martin schaut mal kurz unters Auto. Und wird fündig. Der ordentliche Mann hat bei der Kontrolle des Ersatzreifens irgendein Werkzeug stecken lassen. Nach 1.000 km wollte es dort nicht mehr bleiben und hat sich gemeldet. War eh nur ein 20 cm langes Eisentrumm 🙈
Morgen gibt´s eine Bericht über Sarajevo. Eine wirklich interessante Stadt! (Heute 18.000 Schritte, da geht nix mehr!)
Es folgt ein ödes Stück Autobahn, eine kleine Verirrung und schon sind wir an der Grenze zu Bosnien-Herzegovina. Der Grenzbeamte schaut den Umständen entsprechend ernst: „Carpaper! Where you go?“ Äh, Baja Luka? (Warum bekommt man angesichts eines Verwaltungsorgans sofort ein schlechtes Gewissen, obwohl man gar nichts angestellt hat?) „Ok, you can go!“ Auch das geschafft. Auch der zweite Beamte winkt uns durch. Grenzkontrollen in Europa sind wir halt einfach nicht mehr gewöhnt!
Die e-Sim funktioniert einwandfrei und schon stehen wir in Banja Luka im Stau. Lieblingsbeschäftigung der Banja-Lukar:innen ist Spurwechselballett. Von oben hat das sicher was Poetisches, von unten wirkt es lächerlich, weil komplett nutzlos. Parken kann man hier ein Moped. Eventuell. Einen Bus nicht. Also steuern wir gleich unseren nächsten Schlafplatz direkt am schönen Fluss mit dem schirchen Namen Vrbas an. Hier alles in Ordnung. Schon sind die Füße im kühlen Flusswasser – was für ein Temperaturunterschied zum Schwimmteich in Gamlitz 🥶
Die Währung heißt hier übrigens „BAM“ – ja wirklich! Die Bosnische Konvertible Mark ist ca. die Hälfte des Euro wert. Die Lebensmittel kosten ca. 1/3 weniger als bei uns, der Diesel ca. 10% weniger. Bei einem Durschnittseinkommen von 835,-Euro ganz schön heftig…
Die Straßen sind größtenteils sehr ok und für die nagelneue, von der EU finanzierte Autobahn, die niemand außer uns und internationalen LKW benutzt, muss man eine doch halbwegs üppige Maut berappen.
Banja Luka
Wir fahren mit dem öffentlichen Bus um je 2,5 BAM nach Banja Luka – der Hauptstad der Republik Srpska – zurück und schauen uns die berühmte Ferhadija-Moschee (schön aber klein), das Rathaus (lässt uns so ratlos zurück, dass wir es nicht mal fotografiert haben), die Christ-Erlöser-Kirche (toll) und den Präsidentenpalast (sehr beeindruckend hässlich) an. Im Tvrdava (nein kein Schreibfehler!)-Kastel essen wir sehr gut (juhu, es gibt auch was Vegetarisches!) und relativ günstig (€ 45,- für 2 mit Bier und Wein) zu Abend. Die Festung liegt ebenfalls am Vrbas. Alles in allem kann man sagen: Banja Luka kann man machen, muss man nicht.
Christ-Erlöser-KircheDer Präsidialpalast
Essen im Kastell
Abendansicht der Vrbas vom Kastell aus
Mensch und Maschine
Die Menschen, die uns hier begegnen sind auf den ersten Blick eher frostig. Aber wenn man ein paar nette Sätze auf Englisch mit ihnen gewechselt hat, entpuppen sie sich als sehr herzlich.
Angesichts der niedrigen Einkommen fragt man sich schon, wie man so viel Geld in PS-Haltiges stecken kann. Die Autos sind größtenteils viel besser im Zustand als die Häuser. Selten so viele BMW gesehen -hallo Klischee! Jedes Motorrad hat mindestens einen gepimpten Auspuff, je lauter je cooler?! Es gibt hier sogar mehr Autowaschcenter als Supermärkte. Überholt wird wo man kann, nicht wo man darf. Selbst der Busfahrer tritt hemmungslos das Gaspedal, 60 im Ortsgebiet ist was für Wessi-Weicheier.
Dafür sieht man sehr viele Friedhöfe. Ob hier eventuell ein Zusammenhang besteht?!
Nach einer gemütlichen Nacht im kroatischen Storchendorf und einem kleinen traditionellem Frühstück – wohlgemerkt für eine Person! – machen wir uns auf den Weg Richtung bosnische Grenze. Immer der malerischen aber sehr niedrigen Save entlang.
Rallye-Etappe
Wir überlassen die Routenführung dem Bus-Navi, da wir Google Maps nicht 100%ig vertrauen. Das führt dazu, dass wir nach 20 Minuten auf eine unbefestigte „Straße“ geleitet werden. Wir fahren mitten durch den Nationalpark, scheinbar auf dem Ranger Trail. Nur dass wir halt keinen Range Rover sondern einen 3,5 t Bus haben. Der Weg wird zunehmend rauer. Wir fahren zwischen 3 und 10 km/h immer weiter in den Wald hinein. Google Maps schmollt, Internet ist natürlich auch futsch. Und dann verliert auch noch das Bus-Navi den Weg und wir gurken im Niemandsland herum.
Hier eine Reifenpanne, das wär mal eine echte Herausforderung für den ÖAMTC-Schutzbrief! Mal muss ich aussteigen, um einen in den Weg ragenden Ast wegzutragen, mal fahren wir mit Bauchweh über ein Wildgitter im Boden, hoffend, dass wir nicht zu schwer sind. Ah! Google ist wieder da. Nur noch 4km… noch 3… der Schotter wir wieder zum „Asphalt“, wobei nun tiefe Löcher die Fahrt spannend halten. Umdrehen wäre eher ungünstig mit 4,6m Länge auf einer einspurigen „Fahrbahn“.
Doch schließlich taucht ein Haus auf, mehrere, ein Ort! Wir sind wieder in der Zivilisation. Die drei alten Frauen, an denen wir vorbeifahren, packen´s gar nicht. Wir jubeln; die Sonderprüfung ist geschafft! Alle Reife haben noch Luft! Yes, we got this!
Wir haben in Gamlitz beim Weinlandhof hervorragend gegessen und am WoMo-Stellplatz beim Motorikpark wunderbar geschlafen. Aber das echte Highlight war der Schwumm am Morgen in dem kleinen See. Zunächst stieg noch der Nebel auf – ein Indiz dafür, dass das Wasser noch warm war. Also nichts wie hinein. Es war großartig – sicher noch 20 Grad. Sogar der Warmduscher-Mann ist eingetaucht ohne zu sterben 🙂
Südsteirische Weinstraße
Dann machten wir uns auf den Weg zu Vinothek 🙈 (nichts bei geringer Widerstandsfähigkeit). Wir schafften es mit nur einer Kiste Wein und ein paar Kleinigkeiten raus. Dank des Uncharmes der Verkäuferin fiel es uns nicht alllzu schwer. Weiter gings durch Gamlitz (sehr süß) über das Sulztal nach Ratsch und dann nach Glanz.
Schilcher- und Isabella-Sturmmmmmh!
Plötzlich in Slovenien
Ein Bergerl runter und schon waren wir in Slovenien. Ist uns nur aufgefallen, weil unsere Handys gepiepst haben und aus aufs gratis Roaming aufmerksam gemacht haben. (Und die Häuser waren schircher…)
Autobahnvignette gekauft und durch. Über die E70 Richtung Zagreb. Und schon waren wir an der nächsten Grenze. Auch wenn die Kroaten es nicht gerne zugeben, dass sie schon Balkanbewohner:innen sind, Wikipedia ist da erbarmungslos.
Wikipedia_Captain Blood
Auf der Suche nach einem Standplatz für die Nacht sind wir mitten im kroatischen Niemandsland fündig geworden: in Čigoć im Naturreservat Lonjsko Polje auf einem mini Campingplatz mit traditionellem Restaurant, wo wir natürlich Cevapcici und Plescavica (sorry aber das mit den Sonderzeochen ist mir zu mühsam…) gegessen haben. Hier kann man in der Saison wohl jede Menge Störche bewundern. Jetzt sind keine da, wahrscheinlich schon alle auf dem Weg nach Afrika…
Wir sind die einzigen Gäste hier, für ein Restaurant, das locker 100 Leute beherbergen kann. Rund um uns sind Felder und alte, traditionelle Bauernhöfe. Ich gebe zu, es stinkt ein bissi…Aber die Gastgeber sind super freundlich und die rustikale Dusche spendet heißes Wasser.
Auf die Cevapcici im Fladen muss natürlich ein Pelincovac folgen. (Und auf den Pelincovac ein Fenchel-Tee im Bus 🙈)
Morgen geht´s über die Grenze nach Bosnien nach Banja Luka.
Übrigens: Bis jetzt wurden wir noch nicht bedroht, beraubt oder auch nur aggressiv angeschaut…
Im September 2026 machen wir uns auf Richtung Albanien. Wir haben Trinkwasserfilter, Wasserkanister, eine aufgefüllte Gasflasche und den Tank mit Adblue gefüllt. Wie haben so viele Warnungen, gut gemeinte Ratschläge gehört… wir werden sehen wie weit wir kommen…
Unsere Reise ist nicht dogmatisch angelegt. Wenn´s kacke ist, nehmen wir die Fähre nach Italien. Basta. Aber wir glauben, dass ganz viele der uns vermittelten (Vor-)urteile, der Angst geschuldet ist, die westeuropäische Komfortzone zu verlassen.
Schauen wir mal. Noch sind wir mittendrin: in der Südsteiermark. Weintrinken und -kaufen. In der Behaglichkeit des Weinlandhofes kommt man leicht ins Grübeln darüber, ob es sich auszahlt, diese hinter sich zu lassen.
Wir werden es euch wissen lassen!
Schloss Freiberg bei Graz
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