Heute hab ich leider keine Fotos für euch 😉
Angekommen in Gjirokastra (Albanien), am südlichsten Punkt unserer Reise – ab jetzt geht´s wieder „hinauf“, ist es Zeit ein Zwischenresumée zu ziehen. Unsere – also vor allem meine – größten Bedenken galten – in dieser Reihenfolge: den Straßen, den Ausscheidungsmöglichkeiten, der Sicherheit und dem Essen.
Straßenqualität
Im Großen und Ganzen ist die Qualität der Straßen überall dort wo wir gefahren sind, völlig in Ordnung. Hier in Albanien sind die SH (Überlandstraßen) zwar oft schmal, aber meistens in guter Qualität. Die Autobahnen sind größtenteils neu und was nicht neu ist, gehört mit Vorsicht befahren, da Schlaglöcher oder Huppel durchaus vorkommen. Diejenigen, die das Tempolimit von 90 kmh einhalten, sind Westler wie wir oder ihre Karre kann nicht schneller. Nebenstraßen sind nicht zu empfehlen, es sei denn, man fährt einen 4×4 oder ein Leihauto.
In Städten herrscht mediterranes Chaos: Parken in 2. und 3. Spur, rausfahren, wenn man will, nicht wenn´s geht. Dafür wird man auch nicht geschimpft, wenn man lost an einer Kreuzung steht und Google Maps sich nicht entscheiden kann.
In Albanien gilt im Verkehr das Recht des Stärkeren. Wer zögert, verliert. Der Blinker ist nonexistent. Jemanden freiwillig einreihen oder überholen lassen: Schwächling. Hat sicher bei Kastrati getankt:

Ein Mercedes muss es sein, auch wenn er 750.000 km hat und ein halbes Lebenseinkommen gekostet hat. Geländefahrzeuge sind hier (noch?) nicht angekommen. Dabei wären sie hier wirklich sinnvoll… Wer sich keinen Mercedes leisten kann, muss aber unbedingt einen VW haben. Im restlichen Balkan ist das Auto der Wahl der BMW. Marketing oder irgendein kulturelles Dings, ich weiß es nicht. Autowaschen ist hier Pflicht. Lavazh gibt es wirklich unendlich viele. Und Autowerkstätten (sic!).
Polizei steht auch viel rum. Plaudert, raucht. Hält keine EU-Ausländer auf. Keine Ahnung, woher das Gerücht kommt, die würden einen abzocken. (Aber wir haben ja nicht die Retour-Strecke…)
Ausscheidungsstätten
Ich hab ja jetzt schon ganz viele internationale Häusln besprochen. Und ich sage euch: im gesamten Gebiet, das wir durchfahren haben: nicht immer schön, aber immer gepflegt, immer absperrbar (nicht selbstverständlich), immer zumindest 1 für beide Geschlechter, immer Klopapier (!), immer Wasser zum Händewaschen mit Seife! Da können sich die Sardinier:innen, die Südfranzösen-und -ösinnen und die Italiener:innen auf jeden Fall VIEL abschauen!
Safety
Wir haben uns NIE unsicher gefühlt. Grenzübergänge haben uns am meisten gestresst. Und gestern bei einem Spaziergang, wo wir an einer Kuhherde vorbei mussten, war uns auch ein Wenig mulmig. Und ein einziges Mal in Albanien, gleich nach dem Grenzübergang, waren wir recht schockiert über den großen Unterschied zu Montenegro. Die Müllproblematik ist hier wirklich extrem und auf der Straße waren ausschließlich Männer zu sehen. Das hat sich aber im Laufe unserer weiteren Reise komplett gelegt. Ok, wir stehen nie auf freiem Feld, sondern immer auf Campingplätzen, weil die wirklich billig sind und das Ausscheidungs- und Körperhygieneproblem halbwegs elegant lösen.
Die Menschen sind freundlich. Hier in Albanien deutlich herzlicher. Nie hatten wir das Gefühl, in eine auch nur annähernd gefährliche Situation geraten zu können.
Fleisch essen
Dass dies keine vegetarisch-kulinarische Entdeckungsreise wird, war im Vorhinein klar. Dass es aber nahezu keine Hauptspeisen ohne Fisch oder Fleisch gibt, hat mich schon erstaunt. Erst heute – nach 14 Tagen – haben wir in Gjirokastra im Wirtshaus Gefüllte Melanzani, Reisbällchen und Spinatburek bekommen (eigentlich alles Vorspeisen, aber ok). Als Vegetarierin kannst du Salat und Pommes essen. Oder Pommes mit Salat. Die Pommes sind dafür frisch gemacht. Vielleicht lag es aber auch an der Sprachbarriere und daran, dass wir kaum in Städten, sondern nur in sehr ruralen Gegenden waren. Das Essen war mehrheitlich sehr gut.(Noch) keine Speiberitis, Durchfall sowieso nicht: freiwillig gibt mein Körper nix her.
Erstaunt haben uns die Preise in Montenegro am Meer. Südfrankeich-Niveau würde ich sagen…

Halbzeit-Fazit
Alle Unkenrufe haben sich als Vorurteile herausgestellt. Wir haben großartige Natur, freundliche Menschen und völlig okaye Sanitäranlagen vorgefunden. Ich kann nichts Negatives sagen. Im Gegenteil: Sogar das Internet funktioniert hier nahezu überall. Ganz im Gegenteil zu vielen anderen Gegenden, wo wir schon waren, z.B. in Entwicklungsländern wie Deutschland😉
