Selten so eine interessante, vielfältige, schirche Stadt besucht. Bei frostigen 6 Grad aufgewacht, wir stehen sehr weit oben auf einem Berg und schauen auf die dunstige Stadt. Zu Fuß machen wir uns auf – also eigentlich ab – in die Stadt. Nur um gleich wieder denselben Berg raufzufahren mit einer Gondelbahn.

Dort oben gleich das erste Highlight: die verfallene Bobbahn der Olympischen Winterspiele 1984. Ein Lost-Place, wie es pittoresker nicht geht!






Museum der Kindheit im Krieg
Auf das High folgt ein emotionales Low. Wir gehen durch die Altstadt zum kleinen „War Childhood Museum“. Ins Leben gerufen von Jasminko Halilović, der selbst seine Kindheit im Krieg verbringen musste, vereint es Objekte und Texte, die davon erzählen, wie es war, in Sarajevo während des Jugoslawienkrieges Kind zu sein. Mittlerweile nimmt das Museum auch Objekte von Kindern aus aller Welt auf. Derzeit sind auch Objekte von ukrainischen und palästinensischen Kindern zu sehen.
Sarajevo war übrigens mit 1.425 Tagen (fast 4 Jahr!) die im 20. Jahrhundert am längsten belagerte Stadt. Die Bevölkerung wurde durch einen Tunnel und eine NATO-Luftbrücke notdürftig versorgt. Mehr als 11.500 Menschen starben alleine in Sarajevo. Der Jugoslawienkrieg kostete 100.000 Menschen das Leben.
Für uns war das ein ganz schwieriger Besuch. Gut, dass an einigen Tischen Taschentücher zur Verfügung standen…

Stadtführung mit Ibrahim
Wir buchten eine Free-Walking-Tour. Das ist wirklich empfehlenswert! Gegen ein Trinkgeld führen dich sehr fachkundige Einheimische durch ihre Stadt. Ibrahim zeigt uns einige der sehr zahlreichen Moscheen der Stadt (es hat uns überrascht, wie viele Moslems in Sarajevo leben!), das Rathaus, das ein österreichisch-ungarischer Architekt geplant hat und von den Serben von den umliegenden Bergen beschossen wurde, die Altstadt (mit unfassbar vielen Klumpert-Ständen), die Steine, die die Grenzen zwischen ottomanischem, österreich-ungarischem und jugoslawischen Teil der Stadt markieren.





Am beeindruckendsten aber fand ich jenen Ort, an dem Gavrilo Princip das Attentat auf Franz Ferdinand und Sophie verübt hat. Man kann sich praktisch in seine Fußstapfen stellen. Ein unfassbar folgenschweres Ereignis, 40 Staaten wurden in den Krieg hineingezogen, 17 Millionen Menschen starben. In Jugoslawien wurde ein Königreich ausgerufen, das nicht allzu lange gewährt hat. Ibrahim, unser Guide verstieg sich sogar zur Hypothese, dass dieses Attentat bis heute wirkt… Niemand widersprach.

