Westbalkan 2026 – Banja Luka: kann man, muss man nicht (Part 4)

Westbalkan 2026 – Banja Luka: kann man, muss man nicht (Part 4)

Es folgt ein ödes Stück Autobahn, eine kleine Verirrung und schon sind wir an der Grenze zu Bosnien-Herzegovina. Der Grenzbeamte schaut den Umständen entsprechend ernst: „Carpaper! Where you go?“ Äh, Baja Luka? (Warum bekommt man angesichts eines Verwaltungsorgans sofort ein schlechtes Gewissen, obwohl man gar nichts angestellt hat?) „Ok, you can go!“ Auch das geschafft. Auch der zweite Beamte winkt uns durch. Grenzkontrollen in Europa sind wir halt einfach nicht mehr gewöhnt!

grezne bosnien herzegowina

Die e-Sim funktioniert einwandfrei und schon stehen wir in Banja Luka im Stau. Lieblingsbeschäftigung der Banja-Lukar:innen ist Spurwechselballett. Von oben hat das sicher was Poetisches, von unten wirkt es lächerlich, weil komplett nutzlos. Parken kann man hier ein Moped. Eventuell. Einen Bus nicht. Also steuern wir gleich unseren nächsten Schlafplatz direkt am schönen Fluss mit dem schirchen Namen Vrbas an. Hier alles in Ordnung. Schon sind die Füße im kühlen Flusswasser – was für ein Temperaturunterschied zum Schwimmteich in Gamlitz 🥶

Die Währung heißt hier übrigens „BAM“ – ja wirklich! Die Bosnische Konvertible Mark ist ca. die Hälfte des Euro wert. Die Lebensmittel kosten ca. 1/3 weniger als bei uns, der Diesel ca. 10% weniger. Bei einem Durschnittseinkommen von 835,-Euro ganz schön heftig…

Die Straßen sind größtenteils sehr ok und für die nagelneue, von der EU finanzierte Autobahn, die niemand außer uns und internationalen LKW benutzt, muss man eine doch halbwegs üppige Maut berappen.

Banja Luka

Wir fahren mit dem öffentlichen Bus um je 2,5 BAM nach Banja Luka – der Hauptstad der Republik Srpska – zurück und schauen uns die berühmte Ferhadija-Moschee (schön aber klein), das Rathaus (lässt uns so ratlos zurück, dass wir es nicht mal fotografiert haben), die Christ-Erlöser-Kirche (toll) und den Präsidentenpalast (sehr beeindruckend hässlich) an. Im Tvrdava (nein kein Schreibfehler!)-Kastel essen wir sehr gut (juhu, es gibt auch was Vegetarisches!) und relativ günstig (€ 45,- für 2 mit Bier und Wein) zu Abend. Die Festung liegt ebenfalls am Vrbas. Alles in allem kann man sagen: Banja Luka kann man machen, muss man nicht.

Alexandra verschleiert

Moschee innen
moschee innen 2
kirche
Christ-Erlöser-Kirche
präsidentenpalast
Der Präsidialpalast

Essen im Kastell

Kastell
vrbas am abend
Abendansicht der Vrbas vom Kastell aus

Mensch und Maschine

Die Menschen, die uns hier begegnen sind auf den ersten Blick eher frostig. Aber wenn man ein paar nette Sätze auf Englisch mit ihnen gewechselt hat, entpuppen sie sich als sehr herzlich.

Angesichts der niedrigen Einkommen fragt man sich schon, wie man so viel Geld in PS-Haltiges stecken kann. Die Autos sind größtenteils viel besser im Zustand als die Häuser. Selten so viele BMW gesehen -hallo Klischee! Jedes Motorrad hat mindestens einen gepimpten Auspuff, je lauter je cooler?! Es gibt hier sogar mehr Autowaschcenter als Supermärkte. Überholt wird wo man kann, nicht wo man darf. Selbst der Busfahrer tritt hemmungslos das Gaspedal, 60 im Ortsgebiet ist was für Wessi-Weicheier.

Dafür sieht man sehr viele Friedhöfe. Ob hier eventuell ein Zusammenhang besteht?!

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