Costa Rica – der Geschichte 3. Teil

Costa Rica – der Geschichte 3. Teil

Karibikküste – faule Tiere und brüllende Affen

Wir gewöhnen uns an den Verkehr in Costa Rica. In den Städten immer aufpassen, es kann sein, dass eine Straße urplötzlich zur Einbahn wird – was das Navi allerdings noch nicht weiß. Wir fahren also allerlei Gasselwerk und fiebern der ersten Ansicht des Meeres entgegen.

(Die Städte durch die wir fahren – wie z.B. Limón auf unserem Weg nach Cahuita – lasse ich unerwähnt. Sie sind wirklich nichts Besonderes und wir sind wirklich nur durchgefahren oder haben kurz angehalten um Proviant zu kaufen. Interessant ist, dass in nahezu ganz Costa Rica das Rauchen selbst im Freien verboten ist und die meisten Menschen sich auch daran halten! Die Häuser sind maximal 2stöckig und ausnahmslos alle sind eingezäunt! Dort könnte unsere Innenministerin in Sachen Zutrittsabwehr noch einiges lernen!)

Dann kommt das Meer in Sicht! Doch es sieht gar nicht karibisch aus – aufgewühlt, braun, wild! Oilspill? Die Ausläufer des Hurrikans, der Südamerika in den letzten Tagen gewütet hat? Unsere erste Unterkunft beim „Verrückten Schweizer“ heißt uns jedenfalls mit sehr karibischem Flair willkommen.

Am späten Nachmittag dann eine erste akustische Begegnung mit der Gefahr! Man sieht sie nicht, aber direkt in der Nähe muss ein wirklich wütendes Monster stehen – gleich fällt es über uns her! Es kommt immer näher, es wird uns töten! HILFE!!!!

Es stellt sich heraus, dass wir uns vor ein paar Affen in die Hose machen. Sogar recht kleine Affen, ca. 5kg schwer, hoch oben in den Bäumen. Sie sind schon gefährlich, sie schmeißen nämlich mit ihren Exkrementen auf Eindringlinge. Wir sind jedenfalls froh, das bereits am Nachmittag bei Tageslicht erfahren zu haben, so müssen wir in den frühen Morgenstunden, als die Horde wieder das Hotelgelände durchquert, nicht um unser Leben fürchten.

Unser Strandspaziergang macht die Hoffnungen auf den Schnorchelausflug am nächsten Tag zunichte. Jedenfalls kein Oilspill, sondern einfach nur aufgewühlter dunkelbrauner Sand – Playa Negra. Das Wasser ist angenehm warm, aber an Schwimmen ist eher nicht zu denken.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug nach Cahuita. Wir treffen unseren Guide, einen sehr gechillten Typen, der eher wie ein Jamaikaner aussieht. Er ist barfuß unterwegs, vermutlich schon sein ganzes Leben, er hat ungefähr Schuhgröße 45 aber in der Breite! Schon am Parkplatz macht er uns auf einen dunklen Fleck ganz oben in den Bäumen aufmerksam: unser erstes Faultier! Hier im Südwesten des Landes gibt es derer noch viele. Es gibt 2- und 3-Fingerfaultiere, die einen sind grau und die anderen eher braun. Sie bewegen sich selten und wenn doch dann sehr gemächlich. Da sie es sich hauptsächlich im Blätterdach gemütlich machen, sehen wir sie leider nur von Weitem.

Am Ende des Ortes Cahuita befindet sich der Eingang zu einem kleinen Nationalpark. Hier hat der Strand Bilderbuchqualität. Einzig die starke Brandung und die Warnung vor „Rip (sic!) Currents“ trüben die Strandidylle. Auf unserer kleinen Expedition sehen wir jede Menge Basilisken, Iguanas, Klammeraffen, Seidenspinnen, viele bunte Vögel, weitere Faultiere, u.v.m. Es ist ein toller Einstieg in die Fauna Sylvestre eines der artenreichsten Länder der Welt. Mehr als 500.000 Arten von Flora und Fauna repräsentieren circa 6% der Biodiversität der Welt! 1)

Abends ist Cahuita ein bisserl unheimlich. Mehrfach werden uns – also Martin, ich weiß auch nicht warum – Drogen angeboten. Kaputte Gestalten lungern herum bzw. stehen in der Bewegung erstarrt mitten auf der Straße – also vom Kiffen kommt das nicht…

  1. http://www.botschaft-costarica.de/index.php?option=com_content&view=article&id=134:cambio-climatico&lang=de
Costa Rica – Der Geschichte 2.Teil

Costa Rica – Der Geschichte 2.Teil

Zu Beginn die Zusammenfasssung (ganz ohne Spoiler*)

*Ein Spoiler hat in dem Fall nichts mit Autos zu tun sodern mit „to spoil“, dem englischen Wort für „verderben“: Wenn du es dir am Sonntag um 20.15 auf der Couch gemütlich gemacht hast, die Titelmelodie von Tatort soeben verklungen ist, der Mann vorbeikommt und sagt: „Kenn ich schon, der Bruder von der Nachbarin war‘ s!“ dann wär das ein klassicher Spoiler.


 

Billig ist Costa Rica nicht. Ein einfaches Essen in der Wellblechhütte am Straßenrand kostet – zumindest für uns TouristInnen – an die 10 Dollar, der Spritpreis entspricht beinahe 1:1 dem unseren. Dafür ist Costa Rica im Vergleich zu anderen mittel- bzw. südamerikanischen Ländern recht sicher. (Ob rechtssicher kann ich nicht sagen, angeblich gibt es korrupte PolizistInnen, die das Bußgeld für Schnellfahren gleich in die eigene Hosentasche stecken. Costa Rica liegt auf Platz 49 von 175 des Korruptionsindexes von Transparency International.) Wir wurden auch immer wieder davor gewarnt, Wertsachen im Auto zu lassen oder gut sichtbar herumzutragen. (Wie soll das anders gehen z.B. mit einer Spiegelreflexkamera? „Nein wirklich, ich bin mit einem Zylinder schwanger.“?!) Doch wir waren nie in einer bedrohlichen Situation. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass wir selten an stark touristifizierten Orten waren, und die Parkplätze von frequentierteren Orten immer bewacht sind.

Die Costa Ricaner sind rücksichtslose Autofahrer in meist fetten Karossen mit vielen Beulen, denen Höflichkeit fremd ist, und die Verkehrszeichen eher als gut gemeinter Ratschlag denn als Vorschrift ansehen. Die Geschwindigkeit bestimmt die Straßenqualität bzw. die Eile. LKW – also so richtig fette Roadtrucks – holen auf der Geraden das letzte aus ihren Maschinen, was aus dem Rückspiegel betrachtet wirklich angsteinflößend sein kann! Wenig Vertrauen flößt einem auch die Tatsache ein, dass außerhalb der Städte, in bewohnten Gebieten jedes zweite Haus eine LKW-/Autoreparaturwerkstätte oder ein Reifenschuster ist. Aber uns ist nix passiert! Nicht mal ein Kratzer am Leihwagen. Wobei der war so dreckig beim Retournieren, dass man nicht mal einen Riss in der Karosserie gesehen hätte!

Am Land sind die Menschen sehr freundlich und bemüht. Mit Englisch kommt man nicht wirklich weiter. Ein paar Grundkenntnisse in Spanisch sind vor allem dann nicht schlecht, wenn man beim Essen wählerisch ist und wissen will, was man bekommt. (Maja ist Vegetarierin, Leon isst weder Schwein noch Huhn.) Als Vegetarierin kriegt man Reis mit Bohnen und Eiern in jeder Form. Huhn und Schwein nicht zu essen läuft auf dasselbe hinaus, weil Pollo (sprich Poio) oder Cerdo werden zu Reis mit Bohnen und Eiern serviert. Generell fand ich das Essen nicht besonders (ganz im Gegenteil zu Thailand beispielsweise). Beim Gemüse scheitert die costaricanische Küche leider. Und wer Nudeln mit Pommes und Weißbrot serviert… Nun ja. Warum viele Costa RicanerInnen trotzdem deutlich übergewichtig sind , weiß ich nicht, wahrscheinlich schmeckt ihnen das eigen Essen nicht und sie essen ständig bei Mc Donalds und trinken zuviel Coca Cola…(1)

Besonders enttäuschend fand ich aber den Kaffee. Da ist man einmal in einem Kaffeeanbaugebiet und dann bekommt man irgendwas nur keinen Kaffee. Viel mehr handelt es sich um Coffee, also die amerikanische Variante in großen Becher 5 x aufgegossen oder bereits seit einer Stunde auf der Wärmeplatte gut abgestanden. Bei uns nennt man das Gschloder, braunes Wasser oder auch Kafffe (mit 3f und der Betonung auf dem ‚a‘). Es ist schon sehr bezeichnend, dass ich den ersten guten Kaffee des Urlaubs erst nach einer Woche bei einem Holländer bekommen hab! Und den zweiten dann bei einem Deutschen (sic!).

Kleiner Exkurs: Nun wundert es mich auch nicht, dass die bodenlose Tasse ausgerechnet in den USA erfunden wurde, bis man dort auf einen wirksamen Coffeinspiegel kommt, muss man richtig lange trinken! Achtung Niveauverlust: So viel kannst du gar nicht saufen, weil du gar nicht soviel schiffen kannst!

To be continued, meanwhile enjoy!

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[1] http://www.ticopedia.de/Gastronomie

Costa Rica – Der Geschichte erster Teil

Costa Rica – Der Geschichte erster Teil

Land der Naturwunder & des Allradantriebs

Gleich vorweg: Costa Rica ist eine spektakuläre Destination. Ich habe noch nie so komprimiert so viele einzigartige, erstaunliche, wirklich beeindruckende „Bilder“ erlebt! So spektakulär, dass sich 2 Teenager (18 und 15 Jahre, Geschwister!) 2 Wochen lang nicht gestritten haben, obwohl sie sich Zimmer und Rücksitzbank des Autos teilen mussten!

Wenn ich jetzt auch ein bisserl herummosere dann ist das Jammern auf sehr hohem Niveau und selbstverständlich schiele ich auf die Quote – wer will schon dauernd hören, dass alles ursuper war…

Die Basics:

Die (Fiedler-)Lehmanns begeben sich also – vom 27.12.2015 (an einem der teuersten Flugtermine des Jahres – aber hurra, bald ist die Schule vorbei!) bis 10.1.2016 auf eine Costa-Rica-Rundreise. Wir sind zu 4 – mein Mann, meine Kinder Maja 17 bzw. 18 Jahre und Leon 15 Jahre alt. Viele Bausteine unserer Reise haben wir zuvor bei Erlebe-Fernreisen.de gebucht. Mit diesem Reisebüro waren wir bereits vor einigen Jahren in Thailand und hatten sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber damit wir ja nicht allzu euphorisch werden, hat das Reisebüro diesmal ein paar Überraschungen eingebaut, auf die wir getrost verzichten hätten können (siehe Kapitel Anreise, das noch geschrieben werden muss). Nichtsdestotrotz empfehle ich es gerne weiter. Als kritische/ökobewusste KonsumentInnen finden wir es gut, dass Erlebe-Fernreise ausschließlich mit Anbietern vor Ort zusammenarbeitet. D.h. die Wertschöpfung bleibt im jeweiligen Land. Die meisten Unterkünfte sind sogar Öko-Lodges, eher klein und einfach, teilweise ohne Strom (aber immer sauber!) und werden von Locals betrieben. Teilweise auch ohne WLAN, aber das haben wir unseren Kindern natürlich im Vorfeld nicht verraten! (Wiegt ein bisschen das schlechte Gewissen über die 5 Tonnen CO2-[1], die allein der Flug emittiert hat. Da fällt das bissl Diesel des Miet-SUVs auch nicht mehr ins Gewicht! Positiv gegenrechnen kann man allerdings die nicht verzehrten Mengen an Palmöl, die im heimischen Nutella-Frühstück[2] meiner Tochter enthalten sind.)

Von Wien aus flogen wir über Frankfurt nach New York, wo wir – in nur 4 Stunden – den Flughafen wechseln mussten! Dass uns das gelungen ist, grenzt an ein Wunder (auch an ein Wunder der Selbsterniedrigung und -beherrschung). Dann von Newark nach San Jose. 27 h Anreise insgesamt… (Mit einem Loch im aufblasbaren Nackenhörnchen!) Und dafür zahlt man noch!

Die erste Nacht verbrachten wir in San Jose. Nach unserem ersten Frühstück (Bohnen mit Reis und Eiern), einer ersten Expedition rund um den Häuserblock (Alles vergittert, da können sich die Stacheldrahtbauer bei uns noch was abschauen!) und einem Einkauf im Supermarkt steht unser Auto bereit. Es handelt sich um einen riesigen Toyota-was-weiß-ich-SUV. Es gibt sogar eine Einstiegshilfe, so hoch ist das Auto (und im Reich der Costa Ricaner und -innen bin ich mit meinen 1,65m eine kleine Riesin!). Mit Fortschreiten der Reise lernte ich jedoch das allradbetriebene Monster zu schätzen. Zum Glück mieten wir – entgegen unseres ursprünglichen Plans – ein Navi. Denn ohne Navi geht gar nix! Straßennamen sind was für Weicheier und Bedienungsanleitungsleser. Entweder du kennst di aus, oder net.

Wir net, wir fahren dem Navi nach. On the road we are!

Fortsetzung folgt!

[1] https://www.atmosfair.de/kompensieren/flug

[2] http://www.stern.de/wirtschaft/news/nutella–warum-palmoel-nicht-wegzudenken-ist-6305480.html

Apfel-Mohn-Muffins – glutenfrei

Apfel-Mohn-Muffins – glutenfrei

Apfel-Mohn-Muffin
Der letzte seine Art

Zutaten

6 Eier
200g Zucker (150g geht auch…)
200g gemahlener Mohn
1 Prise Salz
3 mittelgroße Äpfel
1 Prise Zimt

Zubereitung

Eier trennen, Dotter mit Zucker sehr schaumig rühren, Mohn, und geschälte, geriebene Äpfel unter die Dottermasse heben, Zimt hinzufügen.

Eiklar mit der Prise Salz zu sehr steifem Schnee schlagen. Unter die Dotter/Mohn-Masse ziehen. In Papier-Muffinörmchen füllen. Oder in abwaschbare, aber die vorher befetten und eventuell sogar mit geriebenen Nüssen auskleiden. (In meinen Silikonförmchen bleiben die IMMER sitzen! Ich mach Muffins nur mehr in Papierförmchen!)

Bei 160 Grad 20 bis 25 Minuten backen.

aus Woman

Spät aber doch: Aufs Känguru gekommen.

Spät aber doch: Aufs Känguru gekommen.

Die Frau, die seit einiger Zeit im Wald, im Auto, beim Wäscheabnehmen, beim Kochen, … laut und herzlich lacht, bin ich! Ich höre die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling und amüsiere mich bestens.

Marc-Uwe lebt mit einem Känguru zusammen. Es spricht, säuft, kifft und ist Kommunist. Ein großartig intelligenter, absurder Spaß! Schön, dass es noch 2 weitere Folgen gibt.

Achtung: Nicht geeignet für öffentliche Räume!

die känguru-chroniken
Die Känguru-Chroniken: Live und ungekürzt.
Marc-Uwe Kling (Autor, Erzähler), HörbucHHamburg HHV GmbH (Verlag)
ca. 5h

Hier gibt´s eine Hörprobe eines meiner Lieblingskapitel: Neue Regeln.

Saftiger Karottenkuchen glutenfrei

Saftiger Karottenkuchen glutenfrei

Karottenkuchen glutenfrei (co: Fotolia)
Ok ich geb´s zu ist ein Stockphoto, mein Kuchen ist leider ein bisserl in der Form picken geblieben…


Zutaten

5 Eier
180g Staubzucker (das steht im Rezept, aber ist recht süß, geht sicher auch mit weniger)
60ml Öl
150g gemahlene Mandeln
100g gemahlene Haselnüsse
200g geriebene Karotten
2 TL Backpulver
1 Pkg. Vanillezucker

Für die Glasur (Wer´s mag. Ich lass das weg, macht Zusatzarbeit und hat urviele Kalorien):
250g gesiebter Staubzucker
2 EL Zitronensaft
1 EL Eiklar (!)

Zubereitung

Backrohr auf 175Grad Ober/Unterhitze vorwärmen. Eier trennen (gleich 1 EL Eiklar abnehmen für die Glasur). Dotter mit Staubzucker cremig rühren. Öl langsam unter ständigem Rührern zufügen. Nüsse, Backpulver unterheben, Karotten einrühren. Eiklar mit Vanillezucker steif schlagen, unterheben. Kastenform mit Öl gut ausstreichen, Teig einfüllen und ca. 45 Minuten backen.

Glasur:
Kuchen auskühlen lassen aus der Form stürzen. Staubzucker, Zitronensaft und Eiklar glattrühren, über den Kuchen gießen.

aus Woman

Polentalaibchen – glutenfrei

Polentalaibchen – glutenfrei

polentalaibchen

Zutaten für 4 gute Portionen

500 ml klare Gemüsesuppe
240 g Maisgries
2 mittlere Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 Eier
3 TL gehackte Kürbiskerne
200 g Steirerkäse
Salz, Pfeffer, Kürbiskernöl zum Beträufeln

Zubereitung

Gemüsesuppe aufkochen, Polenta einlaufen lassen und unter ständigem Rühren zu einem dicken Brei kochen und etwas abkühlen lassen.

Zwiebel und Knoblauch fein hacken und in Butter anschwitzen. Anschließend zusammen mit den versprudelten Eiern, Kürbiskernen (geht auch ohne), Steirerkas (das ist ein zäher, gschmackiger, magerer Käse, der sich nur schwer reiben lässt. Am besten in dünne Streifen scheiden und dann in kleine Würfel) unter die Polenta mischen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Laberl daraus formen  – ist eine sehr klebrige Angelegenheit, Hände immer wieder nass machen – und im Fett rausbraten (achtet darauf, dass der Boden der Pfanne gut befettet ist, damit die Polenta nicht picken bleibt).

Mit Blattsalat anrichten und mit Kürbiskernöl beträufeln.

Schmeckt sehr lecker. Wenn es sich um gute Esser handelt – z.B. junge Männer im Wachstum – lieber noch 1/3 mehr machen 😉

Vladimir Vertlib, Lucia Binar und die russische Seele

Vladimir Vertlib, Lucia Binar und die russische Seele

Mpf. Bin ein bisschen enttäuscht. Da eines meiner Lieblingsbücher ebenfalls von Vladimir Vertlib stammt, Die besondere Geschichte der Rosa Masur, hab ich mich sehr auf eine weitere Frauen-Geschichte des in Österreich lebenden Russen Vertlib gefreut.

Seine neue Protagonistin, Lucia Binar, ist mit ihren 83 Jahren denn auch eine (vermeintlich liebe) alte Dame. Doch wehe, es geht ihr etwas gegen den Strich!

Aktuell kämpft sie darum, in ihrer Wohnung in der Großen Mohrengasse bleiben zu dürfen – ganz gegen den Willen von Hauseigentümer Willi Neff. Der würde das Haus gerne mieterbereinigt und saniert an Investoren verkaufen.

Aber er hat nicht mit dem Durchsetzungsvermögen von Lucia Binar gerechnet. Ihr hohes Alter macht sie nahezu unangreifbar. Dazu geht sie ungewöhnliche Allianzen ein, etwa mit dem Obdachlosenpaar in ihrem Hausflur. Wenn ihr jemand körperlich zu nahe zu kommen droht, der lernt den schnellen Angriff des Jiu-Jitsu-erfahrenen Studenten Moritz kennen. So kann keiner das Erfolgsduo aufhalten.

Das Übersinnliche – in Gestalt des Metaphysikers (?) Viktor Viktorowitsch Vint – löst schließlich auch den Rest der Probleme. Wobei die Botschaft Denk gut drüber nach, was du dir wünschst ein bisschen sehr platt daherkommt.

Das Buch liest sich leicht. Es ist lustig, gespickt mit vielen Zitaten aus der russischen Lyrik – echten wie erfundenen. Aber an „meine“ Rosa Masur kommt es bei weitem nicht heran.

Vladimir Vertlib
Vladimir Vertlib
Lucia Binar und die russische Seele
Deuticke Verlag
318 Seiten

 

  Erster Satz: Wenn ich jetzt sterbe, dann kann ich damit leben.