WoMo Tag? Eine Nacht/ein Tag in der Camargue

WoMo Tag? Eine Nacht/ein Tag in der Camargue

Ich weiß nicht mehr der wievielte Tag heute ist. Ist ja auch (fast) egal. Wir müssen noch nicht heim 😉

Eigentlich wollten wir auf einem anderen Standplatz übernachten. Aber der war erstens direkt an der Schnellstraße und zweitens haben uns dort die Gelsen gefressen. Man konnte echt nicht rausgehen ohne, dass einen die Tiere richtiggehend angefallen haben. Das war beim zweiten Stellplatz, der keine 10 Minuten entfernt war, ganz anders. Seltsam. Bitte eine Gelsologen um Erklärung!

Der erst Standplatzbetreiber war jedenfalls ein sehr gesprächiger. Er erklärte mir bereits nach ein paar Sätzen, dass die Jungen (Welche? Alle!) nichts mehr arbeiten wollen. Und, dass sein Hauptberuf eigentlich Matador-Manager sei. Echt! Der managt einen Stierkämpfer! Nächste Woche fliegt er nach Sevilla, um Auftritte (!) zu organisieren und eventuell neue Razeteure (Sportler (sic!) unter Vertrag zu nehmen. Ich hab das zunächst gar nicht glauben können! (Mir war auch nicht klar, dass es in Frankreich so eine Stierkampftradition gibt…)

Wir nichts wie weg nach einem Reis-Großeinkauf (weiss-rund, vollkorn-rund, rot-lang, schwarz-lang)!

Wir haben die Nacht auf dem Mas Albaron (Mas= Bauernhof auf Provençalisch) im Garten der Maison du Riz (Haus des Reises) verbracht. Hier haben wir herrlich ruhig geschlafen. Am Morgen hab ich mir eine Reis-Ausstellung angesehen. So weiß ich jetzt, dass der Reisanbau in der Camargue 30% des französischen Bedarfes deckt. Und dass ohne den Reisanbau, die Camargue versteppt wäre: In den 50er Jahren wurden Deiche errichtet, um den Rhône von der Camargue fernzuhalten und den Weinanbau zu ermöglichen. Die schlauen Männer hatten allerdings nicht bedacht, dass durch das fehlende Süßwasser die Erde versalzt und unfruchtbar wird.

Als sich Frankreich von seinen Kolonien in Indochina trennte, war man zudem plötzlich reislos. Der Reisanbau in der Camargue wurde wirtschaftlich interessant. Künstliche Bewässerungssysteme (man pumpte das Wasser des Rhône jetzt wieder hinein) schufen nicht nur optimale Bedingungen für den Reisanbau, sondern ermöglichten die Erhaltung der einzigartigen Landschaft sowie die Rinderzucht.

Die vielen Pferde – die tatsächlich auch noch wild in der Gegend herumstehen – waren ursprünglich dafür vorgesehen, den Cowboys (Gardiens) zu helfen, die Stiere zu hüten. Heute tragen sie Touristen spazieren und werden für den Reitsport gezüchtet.

Die Camargue ist jedenfalls eine Landschaft, die ich noch nie gesehen habe (erinnert entfernt an die Lange Lacke im Burgenland).  Ein Reisfeld reiht sich an das andere, dazwischen Lacken, niedrige Büsche, Schilf. Schwarze Rinder, die auf ihren Rücken weiße, Reiher-artige Vögel tragen und mehr oder weniger weiße Pferde.

Am Ende der Straße, wo die Camargue aufs Meer trifft, liegt Saintes-Maries-de-la-Mer. Ein kleines – extrem touristifiziertes Kaff – mit einem unverhältnismäßig großen Stierkampfstadion! Als wir dort waren, trieben gerade ein paar Gardiens ein paar Stiere durch das Dorf. Warum? Weil sie es können wahrscheinlich.

Nach einer Stippvisite in Arles – sehr nettes Städtchen! – sind wir ins Isle-sur-la-Sorgue gelandet. Hier am Campingplatz haben wir unsere Abwasserbehälter geleert und im Bistrot herrlich gegessen. Morgen schauen wir uns per Rad die Gegend an. Isle-sur-la-Sorgue wird auch das Venedig Frankreichs genannt! Wir werden berichten.

WoMo-Erkenntnisse: Wichtiges und Unwichtiges

WoMo-Erkenntnisse: Wichtiges und Unwichtiges

Wenn rundherum die Campingprofis, adjustiert mit der perfekten Ausrüstung, ausrücken um Geschirr zu waschen, Wäsche aufzuhängen, Körperpflege zu absolvieren, beobachtet und lernt die Laïn.

Auch in”house” gibt es einige Dinge, die nützlich wären, während andere einfach nur Platz wegnehmen.

Hätte mitmüssen:

  • Wäscheleine – innen ist einfach gar kein Platz um irgendwas aufzuhängen
  • Kluppen – s.o. bzw. kann man Kluppen auch super verwenden, um offene Lebensmittel zu verschließen
  • Bademantel – könnte die unwürdige Gymnastik in der Dusche vermeiden, die man ausführen muss, um sich anzuziehen, ohne das Gewand nass zu machen
  • Weinkühler
  • Plastikschüsseln mit verschließbaren Deckeln – im Kühlschrank fliget auch einiges hin und her beim Fahren
  • Aufhängevorrichtung für das Waschzeug, die nass werden kann – in den wenigsten Duschen gab es eine Ablagemöglichkeit
  • Akkusauger – dann käme ich auch in die zahlreichen Ritzen
  • gemütlicher Campingsessel
  • Lavoir (zum Transport des Geschirrs zur Abwasch)
  • Fön – sofern vorhanden haben die nicht mal Fitnesscenterqualität. Was bei meiner Haarlänge eine extreme Verschwendung von Lebenszeit darstellt

Hätte daheim blieben können

  • ungemütlicher Campingsessel
  • Schminkzeug/Abschminkzeug – schon am 2 Tag bleibenlassen!
  • Tee – ohne Wasserkocher ist Tee zu mühsam
  • Yogamatte – die tollen Plätze, die man aus den sozialen Medien kennt, sind selten wirklich Yoga-geeignet. Und am Campingplatz zwischen all den anderen Campern, naja… Ich war nicht motiviert. Aber der Mann hat konsequent sein Lauftraining absolviert!
  • TV + Sat – wobei das alle haben, kommt mir vor.

Ist mit, ist gut

  • Badeschlapfen (lebenswichtig!!!)
  • Espressokocher – fast genauso lebenswichtig, aber wenn ich mich zwischen Badeschlapfen und Espressokocher entscheiden müsste, nähme ich die Schlapfen!
  • Ersatzwein aus Österreich, sicher ist sicher!
  • scharfes großes und kleines Messer
  • bequemes Gewand – das NUR im Auto und am Campingplatz getragen werden darf!
  • warme Decke – damit man an kühleren Abenden doch draußen sitzen kann
  • Nudeln mit Pesto, sicher ist sicher
  • Taschenmesser mit Korkenzieher
  • Taschenlampe
  • Klopapier dünn für das Chemieklo
  • Besen – es ist unglaublich, wie schnell der Wagen innen versifft!

To be continued

WoMo Tag 4/5 – von “wo sind wir eigentlich” nach “doch nicht in Villacroce”

WoMo Tag 4/5 – von “wo sind wir eigentlich” nach “doch nicht in Villacroce”

Bis wir gestern den richtigen Standplatz gefunden hatten, war die die Stimmung im Auto schon ein wenig angespannt! Der Rallypilot im WoMo war ehrlich erschöpft von einer schier nie enden wollenden Abfolge von Kurven. Die Straßen wurden gefühlt immer enger und die potenziellen Plätze, das WoMo für die Nacht wenig und suboptimal. Aber wir wussten ja nicht, ob was Besseres nachkommen würde. Und umdrehen mit dem Ding geht nur gut am Supermarktparkplatz…

Ich: Stop! Eine Parkbucht!

Er: Da steh ich raus und da is schirch. Wir fahren noch genau 10 Minuten, und wenn wir dann nichts gefunden haben, kommen wir hierher zurück!

Ich: Mpf.

Ich (5 Kurven weiter): Hier! Ein Parkbucht! Sogar mit eigener Quelle!

Er: Da haben wir keine Aussicht. Aber gut, ich probiers.

Mann schiebt sich verkehrt in die – zugegeben – suboptimale Bucht. Wir steigen aus, die Neigung ist deutlich spürbar. Das Wasser plätschert in ein Quellbecken. Wäre nett, wenns hier nicht aussehen würde wie auf einer Müllhalde.

Er: Wir fahren noch 2 Minuten den Berg rauf. Finden wir nichts Besseres, drehe ich um (sic!) und wir kommen hierher zurück…

Ich: Umdrehen? Hier? Mpf?

Wir fahren den Berg doch. Da Umdrehen hier ohnedies keine Option darstellt, fahren wir eben weiter. Plötzlich macht der Wald auf: Ober uns eine mächtige Festung. Darunter: ein Parkplatz! Ganz frei! Mit fantastischer Sicht auf die Berge! Wir parken uns so, dass wir die von der untergehenden Sonne in Szene gesetzte Gebirgskette vor der Nase haben.

Der Mann verwandelt sich vom Rallyepiloten zum Koch und zaubert ein fantastisches Steinpilzrisotto. Dazu ein Glas Blaufränkisch von meinem Lieblingswinzer, dem Moritz. Musik von Pippo Pollina. Ich muss vor lauter Dankbarkeit ein Tränchen (ok ein paar) verdrücken. Hach! La vita è bella così com´ è.

Tag 5 – die BeBaZ (beste Beifahrerin aller Zeiten)

Wir werden mit einem wunderschönen, sonnigen Morgen belohnt. Wir erklimmen die Festung und genießen eine geniale Aussicht – so muss Campen!

Nach Espresso und wilden Feigen frisch von Baum gepflückt legen wir uns wieder in die Kurven! Wir sind jetzt von der Emilia Romagna in die Toskana gekommen. Immer noch sehr bergig. Dabei ist das Meer nicht mehr weit entfernt.

Wir fahren und fahren und fahren. Wir schauen uns von oben La Spezia an. Fahren die sehenswertestes Sackgasse Südwesteuropas (Porto Venere) entlang. Seufz, schade dass Sonntag ist, alles ist überfüllt, unmöglich mit so einem Schiff wie unserem einen Parkplatz zu finden.

Der Militärhafen von La Spezia
Porto Venere im Vorbeifahren

Irgendwann sind wir wieder auf der Autobahn. Eine Anzeigetafel weist darauf hin, dass wir von der Autobahn abfahren sollen, weil ein Tunnel vor uns gesperrt sei. Erst eine Anzeige, dann die nächste. Ich nehme es ernst und teile es dem Mann mit. Der Mann aber glaubt dem Fahrer vor uns und fährt weiter. Gleich darauf stehen wir. Im Tunnel. Nichts geht mehr.

Ich sag jetzt nicht: Hab ichs doch gesagt. Ich sags nicht, ich sags nicht. Ich habs geschafft es nicht zu sagen! Aber angefressen war ich schon. Kurz zumindest. Mann muss halt auf die beste Beifahrerin aller Zeiten (beBaZ) hören!

Die Italiener*innen nehmens gelassen. Rauchen im Auto bei laufendem Motor. Rettungsgasse cos´e? Erst als ein Polizeiauto kommt, und die Leute auffordert eine zu bilden, klappts. Dann steigen sie aus, plaudern. Irgendwo spielt laut Musik. Bisschen Partystimmung kommt auf.

Nach einer Stunde geht’s endlich weiter. Draußen aus dem Tunnel, vorbei an den Brandresten des Unfallautos, kommen wir auch sogleich an der Restbrücke vorbei. An jener, die im August letzten Jahres einfach so eingestürzt ist und 43 Menschen tötete. Ich kann euch sagen, es macht einen nicht grad locker, in Genua auf einer Brücke im Stau zu stehen.  

Genua ist grässlich, also zumindest von der Autobahn aus gesehen. Schwerindustrie, abgefuckte Häuser, Slums, Müll überall. Allerdings habe ich gelesen, dass die Innenstadt zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Simma vorbei gefahren.

Irgendwann will auch der geübteste Fahrer nicht mehr. Ich suche uns einen sehr cosy Campingplatz raus. Gleich sind wir da. Beim 7. Kreisverkehr die erste raus. Dann nur noch über die Bahngleise. Aha, direkt am Strand? Äh, wo ist die Einfahrt? Da nicht. Da sind Menschen, die den letzten (?) schönen Sommertag genießen und ins Meer hüpfen. Da sind Sonnenanbeter*innen in der Abendsonne. Da sind Radfahrer, die erschöpft ihre Fahrräder in ihren Bus einräumen und die eh schon schmale Straße blockieren. Und wir mittendrin, auf der Suche nach einem nicht-existenten Campingplatz. Also die Adresse stimmt, aber der Campingplatz ist nicht da.

Wenn man denselben eingibt in Google Maps (also nicht die Adresse, sondern den Platz), sieht man, dass es bis dahin noch eineinhalb Stunden sind! Die bBaZ der Welt schämt sich in Grund und Boden und wird degradiert. (Ich kann zwar am nächsten Tag mein Image wiederherstellen, als ich den Mann vor der Einfahrt in ein 2m hohes Mauthäuschen bewahre, aber ein Kratzer bleibt…)

Wir landen rechtzeitig vor dem angekündigten Wetterumschwung mit Starkregen in Pietra Ligure statt in Vallecroce. Aber spätestens als der Mezzo di Vino Rosso und die Pizza am Tisch stehen ist alles wieder gut!

In der Nacht kommt der Regensturm. Das Auto wackelt nicht einmal. Alles ist dicht. Wir schlafen gut.

WoMo Tag 1: von Wien nach Jesolo

WoMo Tag 1: von Wien nach Jesolo

Wien wollte uns so schnell nicht loswerden. Ein umgekippter LKW stoppte unseren Elan bereits in Wiener Neudorf. Martin durfte gleich die Kupplung des Fiat auf die Probe stellen – bei more stop than go vom Mazda Rainer bis zu Abfahrt Wiener Neudorf ließen wir bereits eine Stunde liegen.

Aber dann ging die Post ab! Bis Loipersdorf in einem durch! Dann ein ekliger Kaffee (dass man das immer wieder vergisst, diese grindigen Raststationen!) und eine konventionelle Blasenentleerung um € 0,50. Das Bordklo noch als Notlösung im Kopf.

Hit the Road Lemmi! Ich geb zu, die Dimensionen des Fahrzeuges sind mir unheimlich… Aber ich bin the best Beifahrerin ever. Navigiere uns über die A2, suche uns den Stellplatz zur Nächtigung während des Fahrens ohne Speiben. Ebenso magensouverän lade ich ein Hörspiel herunter, steh auf, um dem Mann ein Naschi zu bringen. Ich bin die WoMo-Heldin!

In Jesolo finden wir den Stellplatz gleich nicht an der angegeben Adresse – trotz Google Maps! Gut, dass wir uns verfahren und zufällig doch dort landen, wo wir eigentlich hinwollten: Camping dei Dogi

Mein erstes Mal

Ich also zum ersten Mal auf einem Campingplatz! Schwöre! Ich war zuletzt als 4Jährige, aber daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern, außer dass wir früher abbrechen mussten, weil ein Gewitter alles weggespült hatte.

Gleich beim Eingang parkt, wohnt (?) ein uraltes, verhutzeltes Paar aus Holland. Bitte so möchte ich nicht enden! WoMo in Jesolo, sprachlos nebeneinander, Licht aus um 20.30! Überhaupt sind Nebensaison-Camper sehr alt. Wir drücken den Altersdurchschnitt drastisch.

Camping ist NICHT LUSTIG! Man lacht nicht. Ist leise. Ernst. Alle Camper haben daheim sicher einen Schrebergarten.

Das Bad als Maß der Dinge

Die Dusche ist OK, wenn man es schafft, sich ohne Bodenkontakt aus- und anzuziehen. Geheizt wird natürlich nicht. Der Geruch oszilliert zwischen Omo und Kanal. Draußen waschen Omis ihr Kochgeschirr in dafür vorgesehenen Waschbecken. Die Klos erinnern mich an jene in meiner Schule, nur dass die damals nicht alle Viertelstunden saubergemoppt wurden.

Jesolo ist deprimierend. Der Wind fegt über den leeren, kilometerlangen Strand hinweg. Alles rundherum wirkt desolat. Der Müll sammelt sich in den Ecken, von den Tretbooten löst sich die Farbe, die Sonnenschirme kauern sich unter dem Wind zusammen, die Sonnenbetten ducken sich weg und zerfallen.

Einzig auf der Hauptstraße läuft das Restleben zusammen. Ein paar Restaurants haben noch offen, ein paar chinesische Fetzengeschäfte ebenso. Das Essen ist erstaunlich gut. Die Bedienung trotz langer Saison noch sehr freundlich. Wir fragen uns trotzdem, wie schirch man es zuhause haben muss, um freiwillig hier zu verweilen.

Am nächsten Morgen – die Nacht war ganz ok – leeren wir unseren Grauwasser- und füllen unseren Frischwassertank auf und machen uns schnellstens auf den Weg… Das muss besser werden!

WoMo Tag 2: Bologna

WoMo Tag 2: Bologna

Piazza Maggiore

Juhu, es ist Festa de l´Unita und wir sind live dabei! Man muss sich das vorstellen wie das Volksstimmefest nur in Rumänien. Ok, das ist jetzt gemein den Rumän*innen gegenüber. Es ist ein riesiges politisch linkes Fest, mit Lesungen, Politdebatten, Musik, Fahrwerken und Unmengen zu essen. Auch eine Verkaufshalle mit Matratzen und Staubsaugern gibt´s (ok vielleicht täten die Rumän*innen keine Vorwerk kaufen, aber vielleicht ist ja auch das nur mehr ein Vorurteil). Jedenfalls haben wir noch nie ein so jämmerliches, abgeranztes, schlecht besuchtes Volksfest gesehen. Martin meinte, er müsse sich für alle und alles hier fremdschämen.

Jedenfalls findet diese Sagra (=Volksfest) genau hinter unserem Campingplatz in Bologna statt und wir kommen so auch in den Genuss viertklassiger italienischer Pop-oderso-musik.

Aber Bolognas Innenstadt ist wirklich sehenswert: ganz viele alte Gebäude, großartig verziert. Arkaden soweit das Auge reicht. Ein Lokal neben dem anderen. Und natürlich Unmengen an roten Dachziegeln, so sieht nur Italien von oben aus. (Super Blick von der Terrasse des Aussichtsturms der Basilica San Petronio. Man kann übrigens mit dem Bauaufzug hinauf fahren um nur € 2,-)

Die ursprüngliche Universität

Unbedingt nach gleich die alte Universität (Archiginnasio) mit dem Teatro Anatomico besichtigen (€ 3,-) Und unbedingt alles essen, was reingeht. Ich hab hier die beste Mortadella meines Lebens gegessen und auch ganz ausgezeichnete Tagliatelle al Ragù. (Auf keinen Fall Spaghetti Bolognese bestellen, damit outet man sich sofort als kulinarisches Nackerbatzerl und erntet im besten Fall abschätzende Blicke.) Die Tortellini wurden hier erfunden, der Parmaschinken kommt von hier ums Eck sowie der Parmesan. Und Salami können die Italiener sowieso!

Der Campingplatz Citta di Bologna ist eher mäßig. So 70er Jahre Flair. An der Rezeption sitzen übrigens die unkündbaren Beamten der öster. Post.

Da der Bus ins Stadtzentrum nur alle 2 Stunden fährt, haben wir die Räder ausgepackt und uns auf die Suche nach einem Fahrradweg gemacht.  Den gibt´s auch da und dort. Braucht man aber nicht. Man fährt wo man kann und will. Man darf halt nicht damit rechnen, dass die Autofahrer*innen Rücksicht nehmen, aber dafür wird man auch nicht beflegelt.

Von Jesolo nach Bologna

Die Fahrt von Jesolo nach Bologna hat ca. 2,5 h gedauert. Zuerst sind wir auf der Landstraße gefahren, dann haben wir wieder die Autobahn gesucht. Ich hab noch nie so viel Schwerverkehr erlebt, wie hier auf den Autobahnen. Die rechte Spur ist praktisch eine nicht enden wollende LKW-Schlange! Während im Veneto noch fast ausschließlich LKW aus Osteuropa unterwegs waren, sind es hier in der Emilia Romagna vor allem einheimische. Scheinbar alles wird mit dem LKW transportiert. Es ist furchtbar und furchterregend.

Wir sind lange der Etsch entlanggefahren, was mich verwundert hat. Es ist ein schöner, hier sehr breiter Fluss, der – ok ich gebs zu , ich hab nachgeschaut – bei Porto Fossone in die Adria mündet.

Flüsse und Kanäle gibt es hier sehr viele. Die meisten sehen allerdings (Vorurteil?) vergammelt aus. Hier ist alles was nicht Stadt ist, Landwirtschaft. Mais, Soja und Wein werden auf riesigen Flächen angebaut. Bewässerungskanäle begrenzen die Felder. Es sieht so aus, also ob die Landwirtschaft früher kleinteiliger gewesen wäre. Jetzt stehen unzählige Bauernhäuser verlassen und verfallen herum. Dafür gibt es einige wenige imposante Haziendas – hier Tenuta. Alle eingezäunt und umgeben von großen Mauern.

Ich geh jetzt schlafe und versuche den Sound von draußen auszublenden. Gestern war ich so müde, dass ich bereits um 21 h – da gehen die Italiener*innen grad mal cenare (Abendessen) – bereits das Licht ausgenacht hab und gleich in einen tiefen Schlaf gefallen bin. Ich hoffe, das gelingt mir heute auch. Trotz Festa de´l Unita. Buona Notte! (A propos, da fällt mir ein sehr nettes Lied von Francesco de Gregori ein: https://www.youtube.com/watch?v=LjRQRDfb2ak)

Hier geht´s zu Tag 3

WoMo Tag 3: Von Bologna nach … wo sind wir eigentlich?

WoMo Tag 3: Von Bologna nach … wo sind wir eigentlich?

Nachdem es der Semino Rossi für Arme zu gut gemeint hat, beschließen wir aus Bologna zu flüchten. Und – weil wir schon mal da sind –, was ganz Arges zu machen: Wir fahren nach Maranello ins Ferrari Museum. Nicht meine erste Wahl, aber der Göttergatte hat auch ein Recht auf seine Portion Testosteron. Also auf ins Reich der Reichen und der sinnlosen aber wirklich sehr schönen Umweltverschmutzung.

Ganz Maranello ist Ferrari. Was nicht direkt Fabriksgelände, Museum, Designcenter ist Ferrari-Verleih und – Achtung Verrat: auch Lamborghini! Alle 2 Minuten fetzt ein „Testdriver“, also ein angegrauter Mann im roten oder gelben ( ?) Auto um die Ecke, um den 500 PS-Motor ordentlich aufheulen zu lassen. Als wäre das hier was Besonderes …

Das Museum ist dann wirklich interessant: sabbernde Männer jeden Alters, die sich glänzenden Auges neben jedem ausgestellten Wagen fotografieren. Sie fachsimpeln in allen Sprachen, als hätten sie sie selbst gebaut oder zumindest selbst um die Eau Rouge (Kurve auf der Rennstrecke von Spa in Belgien) gesteuert. (Im Schlepptau schicksalergebene Gattinen, Freundinnen/Kolleginnen, die sich mit völlig unqualifizierten Kommentaren – Mein Gott sieht das unbequem aus! Wieso ist das Auto orange statt rot?  Nein, also der gefällt mir gar nicht! – das vorgetäuschte Interesse nicht glaubhaft zu machen imstande sind.

Ich hätte auch ohne ganz gut leben können, aber interessant war´s schon.

Fehler – schwerer Fehler!

Also wir wollten dann nicht mehr diese elende, LKW-verseuchte Autobahn nehmen. Wir haben dem Navi gesagt, wir wollen nach La Spezia, aber ohne Autobahn. Das Navi hat sich gedacht: Na wartet, euch werde ich´s zeigen! Und hat uns mitten durch den Appenin geführt. Teilweise auf Straßen, die so eng waren, dass wir beim um-die-Kurve-Fahren reversieren mussten! Remember: Wir sitzen nicht im Fiat Panda 4×4 sondern ein einem 7,5m langen, 130 PS schwachen Fiat Ducato!  Der braucht bei einer gröberen Steigung schon die Erste! Wir sind über den Radieschen-Pass gefahren (der natürlich anders heißt, nämlich Passo Radici), hinauf bis nach San Pellegrino auf 1.550 m bis nur mehr 9 Grad! Eine halbe Stunde für 10 km …

Was das allgemeine Wohlgefühl zusätzlich getrübt hat, war die Tatsache, dass beim Bergabfahren plötzlich ein Piepsen „Bremsflüssigkeit nicht ausreichend vorhanden“ angekündigt hat. Motorbremse mit 3 Tonnen wird echt laut sag ich euch!

Aber dafür haben wir großartige frische Steinpilze in San Pellegrino gekauft (200g um 3 Euro!). Diese verarbeiten wir jetzt zu Risotto. Wir sind im Nirvana gelandet, am Fuß einer riesigen Festung. Im Hintergrund spielt Pippo Pollina – mein Lieblingsitaliener. Und der Wein schmeckt umso besser, wenn man – zumindest gefühlt – eine Lebensgefahr überstanden hat!

San Pellegrino am Passo Radici in der untergehenden Sonne

PS: Treppenwitz der Geschichte: Hinter uns steht ein echt riesiger Kirchturm… Morgen raubt uns Don Camillo statt Semino Rossi den Schlaf!

Weitere Kapitel folgen demnächst. Stay tuned!