Berge, Seen & Golf: noch eine Österreich-Tour im WoMo

Berge, Seen & Golf: noch eine Österreich-Tour im WoMo

Unsere kleine WoMo-Tour hätte ja schon vor fast 2 Monaten losgehen sollen. Gut, dass der neue Ducato Advance eine deutliche Lieferverzögerung hatte. So kommen wir in den Genuss von 10 Tagen Sonnenschein! Die Route wie meistens flexibel, das Motto: Berge, Seen & Golf!

Erste Station Dachstein

Unser erster Trip führt uns nach Ramsau (in die Ramsau?) an den Fuß des Dachsteins. Der Mann will auf den Berg, die Frau nicht so, fügt sich aber. Unser WoMo dürfen wir auf der frisch gemähten Wiese (Mhm, das duftet!) des Gasthofs Berghof parken. Was nicht nur nichts kostet, sondern auch Waschgelegenheit und super Essen offeriert. Wenn da nur nicht die Landstraße wäre, auf der die Autos gefühlt durch unser „Schlafgemach“ fahren.

Über die App „Schau aufs Land“ haben wir diesen tollen Standplatz gefunden

In dieser Gegend ist der GC Dachstein natürlich ein golferisches Muss! Wie immer in großartigem Zustand. (Leider handelt es sich bei den Leihtrolleys um diese furchtbaren 2rädrigen Nachzieh-Dinger, die bei jeder Unebenheit umkippen und einem zuverlässig Schulterschmerzen bereiten. Wirklich nicht würdig dieses tollen Leading Courses! Bitte Beispiel an Zell am See nehmen.) Und während ganz Österreich unter einer außergewöhnlichen Hitzewelle ächzt, drehen wir bei 27 Grad und leichtem Wind entspannt unsere Golfrunde. Leider wird unsere Spielpartnerin auf der 16 von einer Horrornachricht ereilt: Die 12-jährige Enkelin ist am Telefon und ruft um Hilfe! Sie ist zusammen mit einem Freund verunfallt und weiß nicht genau, wo sie sich befindet. Wir alarmieren die Polizei in Niederösterreich. Per Hubschrauber werden die Kinder gesucht. An ein normales Spiel ist natürlich nicht mehr zu denken. Wir spielen die Runde dennoch fertig. Vor allem um unsere Flightpartnerin abzulenken und aus ihrem Gedankenkarusell zu reißen. Im Restaurant erfahren wir dann, dass die Enkelin gefunden und ins Krankenhaus geflogen wurde. Ihre Verletzungen dürften nicht lebensbedrohlich sein. An dieser Stelle: alles Gute Lena!

Bergrecht

Am nächsten Tag verlangt der Berg sein Recht: Ich, die anti-Wanderin, klettere die Silberkarklamm hinauf und den „Höhenweg“ (euphemistischer Ausdruck der Einheimischen für einen ausschließlich für Gämsen & Steinböcke gefahrlos zu benützenden Pfad…) wieder zurück. 5 Stunden – na gut: 4 sagt der Mann – Konzentration, ein Fehltritt würde den Urlaub vermutlich drastisch verkürzen. Aber ich überlebe! Und meine Knöcheln auch, vor allem dank professionellem Schuhwerk!

Die Silberkarklamm – sehr erfrischend. Beim Zurückgehen vielleicht nicht den „Höhenweg“ nehmen!

Am dritten Tag klettersteigt der Mann auf den Berg. Ich zunächst auch, stelle aber schnell fest, dass meine Armmuskulatur weder durchs Golfen noch durchs Yoga (he! bitte warum mach ich dauernd verhasste Planks?!) auf die bei einem senkrechten Aufstieg benötigte Zugkraft ausreichend vorbereitet ist. Ich gebe rechtzeitig auf und hab noch genug Kraft umzukehren. Nun sitze ich am Bach und male heimische Flora. Viel entspannter!

Die Trollblume ist eine Ranunkel-Art, die in den Alpen vorkommt. Sie ist eigentlich leuchtend gelb.

Am Nachmittag erklimmen wir zusammen den Dachstein maschinell – auch für mich eine gute Option 😊. Die Aussicht ist atemberaubend. Skywalk und Eispalast lohnen sich wirklich. Allerdings nur dann, wenn man warm genug angezogen ist. Wir teilen unsere Jause mit einer frechen Alpendohle, die dafür als Fotomodell herhalten muss.

Der wilde Westen

Auf dem Weg zu unserer nächsten Destination legen wir einen Stopp am Campingplatz Fieberbrunn ein. Nach 3 Tagen sehnt sich unser Wagen nach Infrastruktur und ich mich nach einer Massage!

Das Tirol-Camp Fieberbrunn punktet nicht nur mit Wellness, einem In- und Outdoorpool, spektakulären Bergen, sondern vor allem mit den schönsten Sanitäranlagen, die ich in meiner bisherigen Camping-Karriere erlebt habe! Endlich jemand, der die richtigen Prioritäten setzt! Und dann ist auch noch das Essen gut und die Massage beinahe sensationell. Trotzdem bleiben wir nicht, sondern fahren weiter in den Westen.

In Wildermieming (heißt wirklich so) erwartet uns ein Campingplatz der Superlative, der Gerhardhof. Dorthin wollten wir unbedingt – vor allem auch wegen des nahen Golfplatzes GC Mieming.

Der Gerhardhof ist erst seit heuer geöffnet – Corona machte den Betreibern einen Strich durch die Rechnung. Doch jetzt steht einer erfolgreichen Sommersaison nichts im Wege: ein perfektes Platzerl mitten im Föhrenwald mit einem großartigen Blick auf die Mieminger Kette, ein super Wirtshaus, in das die Einheimischen offenbar auch sehr gerne gehen, ein Naturbadeteich und  – kaum zu glauben – noch schönere Sanitäranlagen als in Fieberbrunn! Die Gastgeber*innen sind sehr freundlich, der Shop ist liebevoll mit regionalen Leckerbissen bestückt. Diesmal hab nicht mal ich was zu bemäkeln 😉

Der Golfplatz beeindruckt schon bevor wir überhaupt dort sind: Mitten im Nirgendwo – nach Affenhausen (sic!) – steht eine riesige piekfeine Hotelanlage. Viele Gebäude, eines davon der Golfclub, eine riesen Wiese als Parkplatz. Es macht ein bisserl den Eindruck, als hätte man das Geld abgeschafft… Wir reservieren im Restaurant einen Platz für den Abend. Man fragt uns, ob wir nicht auf der Halfway einkehren wollen. Wir verstehen nicht gleich und verneinen … Wir entscheiden uns für ein E-Cart: Es ist heiß, die Dame an der Rezeption legt es uns nahe und die Trolleys sind schon wieder die, die ich nicht leiden kann.

Unsere Flightpartner sind Schweizer. Ein Ehepaar, das den Platz auch zum ersten Mal spielt. Auch die beiden wundern sich, dass uns der Marschall am Abschlag nochmal fragt, ob wir an der Halfway etwas essen wollen. Nein, wieso? Nur schnell was trinken. Wir sind ja zum Golfspielen da. A propos: Der Platz ist wunderschön gelegen, super gepflegt und doch sehr natürlich, fair, duftet nach Nadelbäumen. Auf Ballsuche stoßen wir auf ein Rehkitz im Unterholz. Und dann sehen wir die Halfway! Da wird uns klar, warum man es nicht glauben konnte, dass wir hier nicht länger verweilen wollten. Die Stöttlalm ist ein eigenständiger, professioneller, großer Gastrobetrieb. Eine Art noble Skihütte am Golfplatz! Riesig, urig aber dennoch modern. Ja, die Tiroler wissen wirklich, wie man Gäste verwöhnt!

Wetterflüchtlinge

Nach drei Tagen – viel Wandern, viel Schwimmen, viel Essen, viel Faulenzen – packen wir uns zusammen. Eine aus dem Westen kommende Schlechtwetterfront vereitelt unseren Plan, über Passau und Oberösterreich (so gerne hätte ich einmal den GC Wels gespielt!) heimzureisen. Stattdessen fahren wir über Zell am See nach Kärnten.

Spektakulärer Einschub

Ein Zwischenstopp am Fuße des Kitzsteinhorns und eine spektakuläre Golfrunde am gleichnamigen Platz sind das Sahnehäubchen unserer Golfrallye und entschädigen für den entgangenen GC Wels. Zwar schwer, weil lang, aber flach, dennoch abwechslungsreich und wunderschön. Und außerdem dreirädrige Leihtrolleys von Bigmax mit kleinem Körbchen, die sofortigen Zugriff auf Wasser (es hat >30 Grad!) und Bälle (und Brille!) erlauben!

(In einigen der vielen Teiche der beiden 18-Loch-Plätze werden übrigens Edelsüßwasserkrebse gezüchtet, die man im clubeigenen Restaurant genießen kann! Und die für die ausgezeichnete Wasserqualität sprechen. A propos: Warum gibt´s bei uns noch keine Ökozertifizierung von Golfplätzen wie z.B. in Italien?)

Das wahrscheinlich am häufigsten fotografierte Golfmotiv Österreichs

Der riesige Campingplatz in Zell am See ist professionell aber nicht besonders – außer der See, in den wir uns verschwitzt stürzen.

Zeller See mit Kitzsteinhorn im Hintergrund

In Kärnten glitzert auch morgen die Sonne in den Seen

Wir geraten zufällig glücklicherweise an den Turnersee – ein wunzikleiner See neben dem viel bekannteren Klopeinersee. Am Campingplatz Ilsenhof verbringen wir die letzten beiden Tage unserer Rundfahrt. Nein, die Sanitäranagen sind nicht besonders. Aber dafür der Standplatz mit einer tollen Aussicht auf einen komplett unverbauten See (gibt´s wirklich noch!). Millionen Seerosen, zutrauliche Karpfen, die sich streicheln lassen, und eine nahezu heilige Ruhe!

Turner See mit dem Hohen Obir im Hintergrund

(Mehr als Natur & Golf kann man dort aber nicht genießen. Touristisch sind die Klopeiner*innen in den 60er/80er Jahren stecken geblieben. Die Stadtbilder der umgebenden Ortschaften sind desaströs. Völkermarkt habe ich ja letztes Jahr schon als hässlichste Stadt Österreichs bezeichnet. Ein Glück, dass dort lauter wunderschöne Gewässer sind, auf die man seinen Blick richten kann😉)

Wir wählen den GC Klopeinersee. Wir spielen super, es ist ein rundum gelungener Golftag. Das hätte uns reichen sollen. Aber nein, unsere Golfsucht treibt uns auch am 2. Tag aufs Fairway. Anders als beim ersten Mal ist uns der Platz nicht gewogen. Vor allem dem Mann spielt er übel mit: Seine durchwegs guten Schläge landen extrem oft im Bunker – und davon gibt es wirklich genug. Meiner Ansicht nach zu viele. Und die sind auch immer direkt vors – sogar ums – Grün gebaut! Da muss man sich so ärgern, dass man die wunderschöne Bergkulisse des kärntnerisch-slowenischen Grenzgebirges gar nicht richtig genießen kann.

Aber nicht lange. Denn der Kellner ist nett, das Essen gut und üppig. Der See hat 28 Grad und wir schwimmen um 20.15h in den Sonnenuntergang. Der hohe Obir schaut auf uns herab. So geht Urlaub 😊

Leider war´s das aber schon wieder. An Tag 9 machen wir uns auf den Weg zurück nach Wien. Wir holen den Hund von den (Schwieger)eltern ab. Sie fühlt sich im Ducato nicht ganz so wohl, knüllt sich unter den Tisch und schaut gequält. Wir auch, weil der Hund nach 9 Tagen regelmäßigem Baden im See so stinkt, dass man glaubt, man befände sich in einer Hefefabrik. (Ein bisserl so wie bei Ottakringer, nur um ein Vielfaches intensiver!)

Fazit

Der Ducato ist ein super Auto, wenn das Wetter passt und man sich viel im Freien aufhalten kann. Die Golfwagerl gehen nicht rein, was insofern mühsam ist, als die meisten Clubs wirklich schlechte Leihtrolleys haben.

Die großen Golfclubs sind nicht umsonst teuer. Sie bieten spektakuläre Kulissen und super gepflegte Anlagen. Am besten hat uns letztlich der Golfplatz in Zell am See gefallen. Da sind der Mann und ich uns einig.

Das Übernachten im WoMo am Golfplatz wäre prinzipiell am GC Dachstein, in Zell am See, am GC Klopein möglich gewesen (in Mieming haben wir nicht gefragt). Wir haben diese Möglichkeiten nicht genützt, da wir ohnedies an schönen Campingplätzen standen.

Wenn das Wetter passt, ist ein Campingurlaub in Österreich traumhaft. Außer in Ramsau haben wir eine Woche vor Ferienbeginn auch noch problemlos Standplätze ohne vorherige Reservierung bekommen. Die Gastgeber*innen sind größtenteils super freundlich.

Es hat uns sehr getaugt, aber das nächste Mal machen wir unsere Rundfahrt wahrscheinlich im Elektroauto. (Charger fürs Elektroauto sind uns nur in Mieming und direkt beim Hotel Berghof aufgefallen.)

Dass es wettermäßig auch ganz anders geht, haben wir letztes Jahr leidvoll erfahren, da macht der kleine Bus eher weniger Freude…

Fuck the Weather: Im Regen schläft sich´s besonders gut.

Fuck the Weather: Im Regen schläft sich´s besonders gut.

Auf unserer Jagd nach der Sonne hat es uns über die Soboth in die Nähe von Bleiburg verschlagen.

Spektakuläre Holz-Hängebrücke über die Feistritz

Dort kommt man echt nicht häufig hin. Daher beschließen wir, das Liaunig-Museum zu besuchen. Ein echt geiler Betonbau von querkraft mitten im Nirgendwo. Die moderne Kunst im Inneren lässt uns eher ein bisserl ratlos zurück. Entweder handelt es sich um eine echt abgefahrene Marketing-Masche, oder wir stehen echt daneben… Manches ist ja wirklich cool, anderes einfach nur „echt jetzt?“

Der Skulpturengarten ist beeindruckend, vor allem in Kombination mit dem Panorama! Und die vielen Blühpflanzen sind ein Paradies für Bienen und Hummeln. (Ich hatte das ur Glück: Mir ist eine Biene ins Hosenbein geflogen, und ich konnte sie rausschütteln, ohne dass sie mich gestochen hat.)

An der Mur entlang haben wir dann den Campingplatz am Draustausee entdeckt. Da man uns dort ein Plätzchen am Wasser zugesagt hat, sind wir hin. Dort war es echt schön. Nur leider kulinarisch komplett verödet. („A Pizza homma.“) Die nächste Labestelle: Völkermarkt.

Ich kann euch sagen, Völkermarkt ist wirklich jämmerlich. Grindige 70-80er-Jahre „Neubauten“ und ein sterbender Ortskern. Schrecklich. Gut war allerdings das Essen im einzigen geöffneten Wirtshaus (abgesehen von Pizza- und Dönerbuden), dem Alten Brauhaus. Vor allem die Rahmpolenta, die ich zu meiner gebratenen Forelle bekommen habe, war ausgezeichnet!

Das Campen war dann wirklich romantisch. Mit Blick auf den türkisen Murstausee inkl. kitschigem Sonnenuntergang!

Am nächsten Tag ein feines Yoga-Workout mit Blick auf den See und dem ersten Schwumm des Urlaubs (brrr). Ein entspanntes Frühstück, eine feine Dusche in sehr schönen Sanitäreinrichtungen*. Und dann auf nach Deutschlandsberg für eine Runde Golf am GC Frauenthal – die Sonnen ausnutzend!

Dazwischen bloß ein Berg. Ein sehr großer Berg (Koralpe), der die Bremsen unseres Gefährts auf eine schwere Probe stellte. (Aber das kennen wir ja schon, von unserer Appenin-Überquerung.) Trotzdem mangelte es mir an Coolness, wenn die Motorbremse den 3-Tonner auf 5.000 Touren drehen lässt und es nach Bremsen reinstinkt… Falls die Bodenplatte beim Beimfahrersitz durchgewetzt ist, ich war´s, ich geb´s zu!

Aber dann Frauenthal. Ein – im wahrsten Sinne des Wortes – fürstlicher Golfplatz (im Besitz des Fürsten Liechtenstein). Die ersten 11 Löcher im Schlosspark, umgeben von uralten Eichen, Linden, Föhren sind sensationell. Die Löcher 12-17 sind dann weniger toll, weil deppert bergauf. Die 18 umso spektakulärer hinunter zum Clubhaus. Auf jeden Fall ein Spiel wert! (Selbst wenn man schlecht spielt, so wie ich heute, kann man sich an dem tollen Platz erfreuen.)

Jetzt stehen wir in Eisbiswald am Campingplatz. Es schüttet. Aber uns is wurscht. Wir haben die schönsten Sanitäranlagen der ganzen Welt – ungelogen! Und morgen fahren wir eh nach Hause. Fuck the Weather: Im Regen schläft sichs besonders gut.

*Die Sanitäreinrichtungen sind echt ein eigenes Kapitel… Auch in Österreich leider eher ein schändliches.