The Sense of an Ending – Julian Barnes

The Sense of an Ending – Julian Barnes

/Ok, ein bisserl pathetisch am 31.12. ein Buch mit diesem Titel zu rezensieren. Hat sich so ergeben./

Das harmlos scheinende schmale Büchlein (150 Seiten) sollte man nicht lesen, wenn man gerade depressiv, sehr krank oder sehr alt ist. Es könnte Zweifel aufkommen lassen, über die, im Laufe der Zeit, schön verklärten Erinnerungen. Über die eigene Wahrnehmung. Über verpasste Gelegenheiten. Über Fragen, die wir uns – so uns ein langes Leben beschieden ist – stellen werden: Wann ist ein Leben gelungen? Braucht es Aufregung, Veränderung, mutige Entscheidungen? Wo haben wir unsere Weggefährten verloren?

Denn irgendwann ist es zu spät, und man sitzt im Pub (oder im  Kaffeehaus), alleine mit seinen Gedanken und fragt sich, ob bzw. wo man wann die Ideale seiner Jugend verraten hat.

„I remember a period in late adolescence when my mind would make itself drunk with images of adventurousness. This is how it will be when I grow up. I shall go there, do this, discover that, lover her and her an her. I shall live as people in novels live and have lived. Which ones I was not sure, only that passion and danger, ecstasy an despair (but much more ecstasy) would be in attendance. (…)

But time… how time first grounds us and then confounds us. We thought we were being mature when we were only being safe. We imagined we were being responsible but we were only being cowardly. What we called realism turned out to be a way of avoiding things rather than facing them. Time… give us enough time and our best-supported decisions will seem wobbly, our certainties whimsical.“

Der Autor, Julian Barnes, ist 67. Ungefähr im selben Alter wie der Icherzähler von The Sense of an Ending, Tony Webster. Barnes passt den Erzählstil seines Buches dem Leben seines Protagonisten an: unaufgeregt aber (peinlich bis schmerzhaft) ehrlich, dabei feinsinnig humorvoll.

Der Plot ist substil gestrickt. Bis zum Schluss geht es der Leserin wie dem Erzähler, wenn er zum wiederholten Male gesagt bekommt: „You just don´t get it…“ Letzten Endes verstehen beide dann doch …

Julain Barnes wurde für The Sense of an Ending mit dem Man Booker Prize 2011 ausgezeichnet.

The Sense of an Ending
The Sense of an Ending
Julian Barnes
Vintage Books London, 2011
ISBN 9780099570332

Auf Deutsch heißt das Buch „Vom Ende einer Geschichte“, wurde von Gertraude Krüger übersetzt und ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.