Sardinien Teil 3: Zwischen Adria und Thyrrenischem Meer

Sardinien Teil 3: Zwischen Adria und Thyrrenischem Meer

Nach einem eher unerfreulichen Golferlebnis im an sich tollen Club della Montecchia (unbedingt auf die richtige Schreibweise achten!) – zunächst hat uns das Navi sicher nach Montecchio geführt, wo alles Mögliche war, nur kein Golfclub. Also waren wir 1 Stunde zu spät dran…

Eine sehr schön Anlage, die wir leider nur zu einem Teil bespielen konnten.

Dann haben wir für 10 Loch über drei Stunden gebraucht, weil vor uns eine holländische Golfgruppe ihre Greenfee über Gebühr ausschöpfte – ob sie es genossen, daran zweifle ich stark… Es war so zach, dass wir mit unseren Spielpartnern aus Deutschland übereinkamen, Essen im Clubhaus ist befriedigender als Warten am Platz.

Also nach einem eher vermurksten Tag machten wir uns auf nach Chioggia (sprich: „Kiodscha“ nicht Kotscha und auch nicht Tschiogga ebenso wenig wie Tschotscha – alles schon gehört!). Ein Bikerundfahrt in der Altstadt, die ein bisschen wie ein kleines Venedig daherkommt, gefolgt von einem Aperitivo auf der belebten Fußgängerzone – schon ist alles gut!

Die Campinglätze dort sind zwar riesig und zu dieser Zeit immer noch sehr voll. Aber wir haben einen feinen Platz am Rand auf einer Wiese bekommen. Es war sehr ruhig und idyllisch. Abgesehen von den auch dort ausgehungerten Gelsen, die einen, kaum war man aus dem Wagen, anfielen wie die Zombies in The Walking Dead. Nach dem Morgenyoga hab ich ausgesehen, als hätte ich die Masern! Wer braucht schon Zen, wenn er angesichts der gierigen Meute weiterhin seine Asanas praktiziert. Ist auch für die Fitness gut, weil man viele Übungen einarmig ausübt, da ja die andere Hand immer fürs Schlagen freibleiben muss.

Das Schwimmen im Meer war immer noch super angenehm! Wenngleich es mehr Flundern als Schwimmen ist, weil das Wasser ja sehr weit hinaus flach bleibt. (Und nein, weder Bauch noch Busen streifen am sandigen Meeresgrund; bei meinem Schwimmstil sind es die Füße! Kann sein, dass ich da seit meinem letzten Schwimmkurs 1974 was verlernt habe…)


Circa eine Stunde von Chioggia entfernt liegt die wunderbare kleine Insel Albarobello. Sie gehört der Industriellenfamilie Marcegaglia (Stahlindustrie, über ca. 6.000 Mitarberter:innen, wovon 3.000 an diesem Wochenende auf die Insel eingeladen waren). Albarobello ist eine Gated Community nach amerikanischen Vorbild: eingezäunt, der Zutritt ist nur mit Genehmigung (oder einer Teetime) erlaubt, ein Tagungshotel, viele Villen, Tennisplätze, ein Yachthafen (!) und ein eigener Golfclub – Mann gönnt sich ja sonst nichts.

Wir waren schon vor einigen Jahren dort. Das Spezielle ist, dass der Golfplatz sehr naturnahe ist. Gedüngt wird von einer großen Damhirschherde, die fei über den Golfplatz zieht. Das Wassermanagement erfolgt über das Grauwasser der Ferienanlage. Direkt hinter dem Golfplatz befindet sich ein großer Strand, der an die Maremma und das dort befindliche Vogelschutzgebiet grenzt.


Der Tag war herrlich! Feinstes Spätsommerwetter, eine leichte Brise und diese herrliche Landschaft. Über das Golfspiel breiten wir erneut den Mantel des Schweigens. Und danach eine Flunderrunde in der Adria. Hach!

Doch wir müssen weiter, die Fähre ruft! Also machen wir uns nach 2 Tagen an der Adria auf den Weg quer durch die Toskana nach Livorno, wo wir die schirchste Fahrradtour aller Zeiten gemacht haben…

Wenn das mal kein Cliffhänger ist!

Stück für Stück Richtung Meer

Stück für Stück Richtung Meer

Nach unserer Sturmnacht bei Supermario pflücken wir uns noch ein paar Tomaten direkt vom Strauch und machen uns auf den kurzen Weg nach Mogliano zum Golfplatz Villa Condulmer. Der Kontrast zwischen ugly Camping und snobby Golf ist immer ganz witzig…

Der Golfplatz ist ein beeindruckender Parklandkurs. Mit ganz vielen, uralten Bäumen, darunter einer wirklich riesigen, über 200 Jahre alten, Platane. Das finden sogar die ökologisch eher zurückhaltenden Italiener schützenswert: Wer den Baum beschädigt, muss mit bis zu 10.000 Euro Strafe rechnen!

Die vielen Bäume zwingen zu einem sehr geraden Spiel. Nun ja, meinem Körper ist das leider heute schnurz. An Tagen wie diesen konzentriert man sich halt auf die Landschaft und zum Beispiel das riesige Tor, das von Loch 2 zu Loch 3 zu durchqueren ist…


Ich fotografiere Bäume und google sie – Lärche, Steineiche, chinesische Ulme oder doch Europäischer Zürgelbaum? Die KI ist so präzise wie mein Golfspiel heute.


Loch 7 überrascht mit einem doch recht langen Abschlag entlang eines Flüsschens. Sicherheitshalber nehme ich die Route in die Pappeln rechts 🙈.


Die hinteren 9 sind dann viel freundlicher, offener, breiter. Theoretisch. In einem großen Teich schwimmt gemütlich ein Nutria und macht sich – ich bin mir ziemlich sicher – über meinen großartigen Schlag ins Grün lustig: Endlich einer, den ich wirklich gut treffe (Wer rechnet denn damit auf der 17?!), leider viel zu weit, plopp, eine Spende an die Nutria-Kinder.

Das Essen im Clubhaus entschädigt dann aber für alles: Prosciutto mit Melone und glutenfreie (!) Pasta mit Salsiccia, bzw. Speck, Zucchini und Pecorino mit Gluten für den Mann. Der Café sowieso hier immer gut.

Auf zum Heiligen Pius

Unsere Route nach Livorno haben bewusst wir stressfrei geplant. So bleibt uns noch einige Zeit, die Provinz Padua zu erkunden. Dabei landen wir beim Heiligen Pius, der sogar einen Campingplatz ins Leben gerufen hat! Wie vorausschauend!

Dichte Bambus(!)haine, wenige, sehr grüne und ruhige Stellplätze zeichnen diesen Minicampingplatz nahe Padua aus. Die Waschräume sind in Containern untergebracht, Dusche und WC in einem Raum. Wär kein Problem, wenn einem nicht das Duschwasser des Nachbarn über die Füße rönne. Igitt. Aber dafür hat Gott, Pius oder wer auch immer ja Plastikschlapfen erfunden. Diese sind sowieso ein absolutes Must-Have jeder WoMo-Reise am besten mit einer dicken Sohle, man weiß ja nie, was zu durchwaten ist…


Womit wir so nicht gerechnet haben, ist der Angriff der Killergelsen! Jedes nackte Flecken Haut wird sofort zum All-you-can-eat-Buffet erklärt. Ohne Anti-Brumm gehst du hier in Nullkommanix an Blutarmut zugrunde. Gut, dass wir im Bus einen Gelsenstecker haben. Ist sicher nicht gsund in so einem kleinen Raum. Aber man muss Prioritäten setzen.

Ein Bus namens Vanda

Ein Bus namens Vanda

Das ist sie.

Der Van da ist Vanda (kreativer Name, oder?) und gehört seit März dieses Jahres uns. Es ist ein Peugeot, ausgebaut von Megamobil. Vanda ist 640 cm lang und 210cm breit. Sie ist ein sog. H3, also das höchste Ding, das es als „Auto“ gibt, weil sich der Mann ja sonst nur gebückt fortbewegen könnte. Diese physische Tatsache hat auch Einfluss auf die Autolänge, denn mit über 1,80 willst du nicht im Querbett schlafen.

Vanda hat schlappe 140 PS – mehr Lang- als Kurzstrecke also. Sie fährt mit Diesel, Verbrauch wissen wir noch nicht so genau, aber ca. 11l auf 100km. Eher schirch beim Tanken, zumal wir ja normal mit mehrheitlich eigenem Strom fahren.

Während der Mann auf Höhe und Länge bestanden hat, musste es für mich ein eigenes WC sein. Nicht, dass es sonderlich bequem wäre, aber in der Nacht mag ich nicht allein in die Prärie oder über den Campingplatz sausen müssen… Dusche gibt’s auch, aber Golf- und Campingplätze verfügen meist über die bequemeren Waschräume.

Wir haben zwei 100 Ah Batterien, und ein bisschen Solar die uns im Normalgebrauch 3-4 Tage Autarkie erlauben. Wichtig ist auch: Wir haben eine natürlich eine Heizung! Bist du aus Österreich, ist das quasi zwingend nötig.

Was wir mittlerweile sehr zu schätzen wissen ist das Hubbett, also ein Bett, das elektrisch rauf- und runtergefahren werden kann. So kann man den Stauraum drunter super nützen und zur Not, kann man dort sogar ein weiteres Bett (würde ich nie machen, aber…) einbauen.

Von großem Vorteil ist das LKW-Navi, das genau die Maße unseres Autos kennt und uns daher nicht in irgendwelche italienischen Altstadtzentren oder zu niedrige Unterführungen lotst. Dafür muss man Geduld haben, während man das Ding programmiert, kann man als Profi-LKW-Fahrer problemlos seine Ruhezeiten absolvieren.

Bis zu unserer aktuellen Fahrt waren bisher immer nur ein paar Tage am Stück unterwegs. Ich glaube, Vanda war extrem langweilig. Die Langstrecke – wir haben ca. 3.000 km vor uns – ist genau das richtige für sie!

Kopflos

Kopflos

Kopf einer Statue, der vom Sockel gefallen ist im Comicstil
Made by AI with copilot

Im Behandlungszimmer des Radiologen hängt frontal zum Behandlungsbett ein Frauenakt. Die Kohlezeichnung zeigt einen perfekt proportionierten weiblichen Torso. Die Brüste sind aus dem wünsch-dir-was-Katalog des Schönheitschirurgen: Körbchengröße C, Nippel, die gerade noch nicht nach oben zeigen. Eine Taille, die mit zwei Männerhänden um(was so ein zusätzliches Füßchen an einem Buchstaben ausmacht!)fassbar ist. Das Becken einladend, ohne ins Ausladene zu tendieren. Der Schatten suggeriert einen konkaven Bauch, der Nabel nur hingehaucht. Die Beckenknochen treten deutlich hervor. Die Scham macht ihrem Namen Ehre und ist nur sehr leicht behaart. Die Schenkel im Gehen begriffen und daher versetzt, sodass sich die Gelegenheit, die lippenlose Vulva anzudeuten, nicht vermeiden ließ.

Was macht so ein Bild mit jenen Frauen – und hier liegen nahezu ausschließlich Frauen, handelt es sich doch um den Raum, wo der Mammograph – aka Brustpresse – steht, die hier liegen und gar nicht anders können, als dieses Bild anzustarren?

Wir haben keine Brüste, die waagrecht wegstehen. Wir haben keinen konkaven Bauch. Wir haben keine herausragende Beckenknochen (naja ok, vielleicht schon im Liegen). Unser Nabel ist gut sichtbar – wenn nicht durch Schwangerschaften sogar prominent. Die Männerhände, die unsere Taille umfassen könnten, gibt’s nur im Comic.

Aber vor allem anderen:  Wir haben einen Kopf!

Und genau das ist das Problem. Desjenigen, der diese Zeichnung angefertigt und genau hier platziert hat.