Madeline Miller, Ich bin Circe

Madeline Miller, Ich bin Circe

So macht griechische Mythologie Spaß!

Ich hab ein bisschen gebraucht um in „Circe“ hineinzufinden, aber dann ließ sie mich nicht mehr los. Es ist tatsächlich eine großartige, spannende Geschichte über die Entwicklung einer Nymphe (sic!) zu einer gereiften, selbständigen, unabhängigen Frau.

Ja, sie ist eine Göttin und hat für ihre Entwicklung wortwörtlich eine Ewigkeit Zeit. Aber auch sie unterliegt den Gesetzen einer sehr patriarchalen Ordnung, mit all den Einschränkungen – und Privilegien – , die das Dasein als niedrige Gottheit mit sich bringt. Erst in ihrer Verbannung, also zurückgeworfen auf sich selbst, entdeckt und entfaltet sie ihr Talent.

Man kann „Ich bin Circe“ als rein unterhaltsame Fantasy-Geschichte lesen oder aber als Metapher für die westliche Gesellschaft, das Verhältnis zwischen Mann und Frau und als Affirmation, dass es Frauen gelingen kann, sich einer „gegebenen“ Weltordnung zu widersetzen. Allerdings nicht ohne Opfer und Schmerzen und Stärke, die weit über die männliche hinausgehen muss. Am Ende des Weges aber (nicht des Lebens) wartet ein äußerst erstrebenswerter Zustand: die Selbstbestimmung.

Madeline Millers „Ich bin Circe“, in der Übersetzung von Frauke Brodd, ist ein kluger, spannender, literarisch wertvoller Roman, der uns weiterbildet aber uns die griechische Mythologie endlich einmal aus einer weiblichen Perspektive näherbringt. Die Deutungshoheit gehört nun nicht mehr den Männern, den Heliossen, Odysseussen und Hermessen, sondern einer emanzipierten Nymphe.

Frau kann verstehen, warum sich Männer gegen diesen Wandel wehren. Die naturgegebene göttliche Omnipotenz zu verlieren und Macht plötzlich teilen (sic!) zu müssen, ist sicher schmerzhaft. Doch mein Mitleid hält sich in Grenzen…

Madeline Miller
Ich bin Circe
Übersetzt von Frauke Brodd
Eisele Verlag
Taschenbuch, 528 Seiten
ISBN 9783961610686

Erster Satz

„Als ich geboren wurde, gab es für das was ich war, keinen Namen.“

Es razt a wengl

Es razt a wengl

Das ist die das steirische Gegenteil von „es flutsch“ und beschreibt unsere WoMo-Tour ganz gut. Auch die Stimmung ist mitunter leicht gereizt, wenn wir uns zwischen lauter bescheidenen Varianten nicht entscheiden können. Dass das Auto bereits seine Macken hat – und das in seinem erst 3. Lebensjahr – machts nicht besser. Vor allem das Pfeifen der zentralen Dachluke ab Tempo 100 macht das Fahren zu einer akustischen Zen-Übung. Vom Hörspiel haben wir schon in Wiener Neudorf Abstand genommen, wir verstehen ja nicht mal, was die Frau im Navi uns sagt. In jeder ausreichend engen Kurve tropft es aus dem vorderen Innenlicht und der viele Regen füllt es immer wieder voll – danke. Auch der Kühlschrank braucht besondere Zuwendung sonst kühlt er nicht, und letzte Nacht hat doch tatsächlich jemand unser Stromkabel abgesteckt!

Alles in allem razts hoit. (Hab ich mich übrigens schon ausreichend über die italienischen Autofahrer aufgeregt? Disziplinlos, viel zu schnell, ja nicht nachgeben, Kolonne rechts überholen und dann reinzwicken…die Sorte halt.)

Die Sonnenseite

Dafür haben wir heute einen sehr schönen Golfplatz in Mailand – tatsächlich ein Parklandkurs in der Stadt – gespielt: Le Rovedine. Super Zustand trotz des vielen Regens. Die 7 Trilliarden Minkerln, die in Auge und Ohren und Mund geflogen sind, haben uns davon abgehalten allzu viel zu sprechen. Wäre aber eh nicht möglich gewesen, da unser Flightpartner, ein Local, offenbar für die Speedgolfmeisterschaften trainiert hat: abschlagen, vorlaufen, Putten vor allen anderen, auf zum nächsten Loch. Ballsuchen ein Luxus, den man sich nicht leistet, schon gar nicht hilft man anderen dabei. Gut dass er nach 9 Löchern aufhören musste. So ein unfreundlicher Vollfatzke ist uns schon lange nicht mehr auf einem Golfplatz untergekommen.

Wir kamen aber auch auf den hinteren 9 Loch nicht dazu, die Schönheit des Platzes richtig zu würdigen, denn da hatten wir zwei neue Verfolger wortwörtlich auf den Fersen… Dabei wären es die vielen alten, riesigen Bäume durchaus wert gewesen, sie zu bestaunen, etwa die riesigen Zedern. Die zahlreichen Wasserschildkröten hätte ich mir auch gerne genauer angeschaut und die vielen Hasen, die das Rough bevölkern. (Werden übrigens von Greenkeeper-Hunden dezimiert. Grausam aber effektiv.)

Dafür war die Greenfee mehr als fair: 55,- p.P. ohne Ermäßigung ist für 18 Loch wirklich erstaunlich günstig!

Village City Camping

TomTom hat übrigens den Campingplatz hier in Mailand nicht gefunden und das liegt sicher nicht daran, dass er neu ist. Aber man kann verstehen, dass uns Tom hier nicht herführen wollte – hat wahrscheinlich auch seinen Stolz… Der Platz an sich ist zwar sehr idyllisch mit vielen Bäumen, inmitten einer großzügigen Grünlandschaft, tolle Vogelgesangskulisse. Aber leider total verkommen. Mit 44 Euro pro Nacht noch dazu doppelt so teuer wie der bei Venedig. Die Sanitärräume sind zwar ok, aber nicht sauber. Die Abwasch zum Geschirrwaschen hat ganz sicher ein Mann konzipiert, der noch nie in seinem Leben abgewaschen hat. Die Gastro wird von Chinesen geführt, die nur ganz schlecht Italienisch oder Englisch, oder so sprechen und leider auch nicht kochen sondern nur aufwärmen. Das Rundherum ist verfallen, neben dem Verfallenen wird aus Containern was „Neues“ gebaut. Es gibt eine Taubenzucht (!), Gänse und Ponys, ich hoffe, die werden besser „gewartet“. Ich verstehe sowas nicht…

Aber morgen werden wir noch hierbleiben und das schlechte Wetter (sic!) mit Shopping in der City kompensieren. Danach solle es ja längerfristig besser werden. Dann machen wird uns auf in die Schweiz. Preismäßig hätten wir ja jetzt schon geübt. So heruntergekommen ist es bei denen sicher nicht.

Warum die Weg in die Schweiz über Venedig führt

Warum die Weg in die Schweiz über Venedig führt

Was ursprünglich ein verlängertes Wochenende in Zürich hätte sein sollen, ist nun zu einer 12-tägigen WoMo-Reise geworden. Bitte erinnert mich: Nie wieder WoMo-Urlaub im Mai! Schon bei unserem letzten Mai-Ausflug mit dem „kleinen“ Ducato waren wir vom Wetter-Pech verfolgt. Das Auto heißt ab sofort Rainchaser. Vielleicht prägt sich das ein und hält uns nachhaltig ab.

Längere Regenperioden machen sich im kleinen Bus nicht so super da erstens innen eng, zweitens wird nix trocken… Aber soweit wollten wir es diesmal nicht kommen lassen, daher führt uns unser Weg nach Zürich zunächst nach Venedig. Die Wetter-App sagt: Das ist der erste Ort Richtung Westen, wo die Sonne scheint!

In Venezia c´e il sole

Tatsächlich: bei Regen kommen wir an, in der Nach tröpfelt es auch immer wieder aufs Dach aber der nächste Tag ist nahezu perfekt (wenn man davon absieht, dass ich mich mit der Schottland-erprobten Jacke ausrüste, weil in der Früh nur 9 Grad…). Die Sonne wärmt dann doch auf 19 Grad max.

Von unserem Campingplatz Venezia Village fahren wir mit dem Bus, der in 5 Minuten zu Fuß erreichbar ist, um 3 Euro ca. 10 Minuten ins Zentrum. Von der Piazzale Roma aus erkunden wir planlos die Stadt. Wir erfreuen uns an der Sonne, am einzigartigen Flair, versuchen abseits der touristischen Hauptadern zu gehen, stehen dabei immer wieder in Sackgassen an. Wir essen wirklich gutes italienisches Essen im Nevodi, trinken schon um zwei das erste Glas Wein. Fahren nach Murano, fragen uns, wovon die dort leben, weil wir würden das Allermeiste dort nicht mal geschenkt haben wollen. Sitzen wieder in der Sonne, diesmal gönne ich mir ein Lemonsoda! Das trinke ich wirklich nur in Italien!

Was für ein herrlicher Frühsommertag! Danke Wetter-App!

Warum Zürich

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Ich hätte mir Zürich aus Kostengründen nicht ausgesucht. ABER: Mein Lieblings-Cantautore (=Liedermacher) Pippo Pollina spielt dort – und zwar nur dort – sein 60er-Geburtstagskonzert. Da treten auch viele befreundete Künstler wie z.B. Konstantin Wecker oder Pippos Sohn Faber auf. Da ich ohnedies noch nie in Zürich war, habe ich kurzerhand vor einem halben Jahr Tickets gekauft. Allerdings hatte ich nicht so genau die „Nebenkosten“ bedacht… Die Anreise mit dem Zug und die 3 Nächte in Zürich hätten beinahe gleich viel wie das Ausborgen des WoMos für 10 Tage gekostet. Allerdings haben wir beim Buchen nicht das launische Mai-Wetter bedacht…

Lieblings-WoMo-Ritual

Flucht-artig

Wenn die Wetter-App wieder Recht hat, wird es morgen hier zu regnen beginnen. Das heißt für uns: Auf nach Milano, dort scheint angeblich die Sonne. Ich lasse es euch wissen!

Donna Tartt, Der Distelfink

Donna Tartt, Der Distelfink

Ja, ok, es ist nicht besonders originell, einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman zu loben. Ich will es dennoch tun, denn ich bin wirklich begeistert!

Und das, obwohl ich zunächst skeptisch war. Der Klappentext hat mich eher abgeschreckt als angezogen, auch das Coverbild des Taschenbuchs versprach mehr bildungsbürgerliche Langeweile als packende Story. Doch dann packte es mich doch das Schicksal des Theo Decker und ließ mich über lange Strecken nicht mehr los. Ich gebe zu, manches habe ich nur quergelesen – einerseits weil es zu schmerzhaft, anderseits weil es mir dann doch zu langatmig war. Aber bei über 1.000 Seiten, kann man schon mal großzügig sein…

Ich habe ein intensive Beziehung zu Theo Decker entwickelt. Ich habe seinen russischen Freund Boris zu hassen, aber auch zu bewundern gelernt – dieses Leben am Abgrund, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Ich staunte über Theos Leben als Jugendlicher, wie er zusammen mit Boris in einer unvorstellbaren Einöde am Rande der Großstadt verwahrlost. Wie egal das allen ist. Wie beziehungsunfähig seine „Bezugs“personen sind, und wie sehr er sie trotz aller Vernachlässigung vermisst.

Ich wollte unbedingt, dass sich der junge Mann endlich emanzipiert, sich dieses Bildes entweder bemächtigt oder endgültig entledigt. Ich konnte seine Obsession in keiner Weise nachvollziehen.

Nachfühlbar sind hingegen die drogeninduzierten Räusche und die darauf folgenden Entzugserscheinungen – die abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit (Pleonasmus?), die chemisch ausgewrungene Serotoninspeicher hinterlassen. Wie ein Leben, das so viele Löcher hat, ohne künstliche „Stupfen“ (so hat meine Oma die gestopften Stellen in den Socken genannt), nicht zu bewältigen ist. „Denn dies ist die Wahrheit: Das Leben ist eine Katastrophe.

Das einzig stabile im Leben des Theo Decker sind schöne Dinge: Denn während man beschädigte Möbel restaurieren kann, gelingt das mit Menschen nicht.

„Denn zwischen der >>Realität<< auf der einen Seite und dem Punkt, an dem der Geist die Realität trifft, gibt es eine mittlere Zone, einen Regenbogenrand, wo die Schönheit ins Dasein kommt, wo zwei sehr unterschiedliche Oberflächen sich mischen und verwischen und bereitstellen, was das Leben nicht bietet: Und das ist der beste Raum, in dem alle Kunst existiert und alle Magie.“

Cover Donna Tartt der Distelfink Taschenbuch
Donna Tartt
Der Distelfink
übersetzt von Rainer Schmidt und Kristian Lutze
4. Auflage 2015, Taschenbuch, Goldmann Verlag, 1.024 Seiten
978-3-442-47360-1

Erster Satz

„Noch während meines Aufenthalts in Amsterdam träumte ich zum ersten Mal seit Jahren von meiner Mutter.“

Fasten Fazit Klosterberg

Fasten Fazit Klosterberg


Nach neun Tagen Obst- und Gemüsefasten kann ich einen Gewichtsverlust von 3,7 kg vermelden. (Die Saftfaster:innen haben auch nicht mehr abgenommen.) Die Körper-Analyse-Waage behauptet, ich hätte 2,3kg Körperfett verloren, keine Muskelmasse. Mein Bauch schmerzt zwar derzeit nicht (der eigentliche Grund für die Teilnahme), aber meine Verdauung hat ihre normale Arbeit (bisher?) nicht wieder aufgenommen. Meine Pulsfrequenz ist immer noch erhöht. Das ist insofern unangenehm, als es sich wie konstante Nervosität anfühlt. Ich schlafe gut, allerdings war das vor der Kur auch schon so. Also liebe Verdauung: Mach mal hinne! Dann hat sich der Aufenthalt am Klosterberg wirklich gelohnt!

Das (bisschen) Essen war – zumeist – erstaunlich geschmackvoll und immer wunderhübsch angerichtet. Die hochtrabenden Namen haben allerdings zu hohe Erwartungen geweckt. Und was ich auch nicht super fand: Einmal war dem Gemüse Bulgur beigefügt und das ist nichts Anderes als Weizen. Das finde ich als Glutenunverträgliche sowieso mies, aber generell bin ich der Meinung, dass Weizen bei einer Fastenkur nicht auf den Speiseplan gehört.


Hyperaktivität lenkt vom Gusto ab

Das Programm, das am Klosterberg angeboten wird, ist vielfältig und reicht von rein körperlich über lustig bis rein esoterisch. Ich habe an allen Wanderungen teilgenommen, außer am Schweigemarsch – schaff ich nicht! Selbst die gemächliche – pardon gemäßigte – Gruppe marschiert forsch – nix für ausgeprägte Couchpotatoes. Die Landschaft ist großartig und sogar bei erschreckend hohen Minusgraden bescheren einem die unvermeidlichen Aufstiege Hitzewallungen.


Die Aquagymnastik hat mir erst am letzten Tag so richtig zugesagt, als das Wasser die angekündigte Temperatur von 29 Grad tatsächlich erreicht hatte. Zuvor gab es Probleme mit der Heizung und wir froren trotz Gehopse mit Schwimmnudel oder Smoveys.
Jene, die Schwimmen als Sport ausüben, waren begeistert von 17 Meter langen Pool!


Der Line-Dance-Kurs war eine lustige Abwechslung und ich kann die – zugegeben nicht sehr komplizierten – Schritte heute noch. Mit meinen Boots und einem noch zu erstehenden Hut könnte ich in jedem Saloon einen auf Cowgirl machen! Halt nur 2 Mal, dann wäre mein Repertoire erschöpft.

Vom Content-Highlight „Kulturlandschaft Waldviertel“ habe ich euch ja schon vorgeschwärmt. Empfehlen möchte ich auch die Präsentationen der Bäuerinnen. Sie preisen nicht nur ihre Produkte an, sondern erzählen auch aus ihrem Leben. Und ich kann euch sagen: Das tun sich echte Paralelluniversen auf! Mittlerweile kann ich auch die vielen Produkte, die ich bestellt und mitgenommen habe, empfehlen. Soweit alles vorzüglich! Aus rechtlicher Sicht könnte man allerdings schon von Nötigung sprechen, wenn sie dir in der Mitte der Fastenwoche von Speck, Käse, Schafgupferln, Lammrippen, Bratwürsten … erzählen!

Fazit

Nach Fastenwochen im Biohotel Daberer (hedonistisches Basenfasten), in Marienkron (Obst und Gemüse mit Option auf mehr) und am Klosterberg (mit Option auf weniger) würde ich am ehesten wieder ins Waldviertel fahren. Ich würde 2 Tonnen Gepäck zuhause lassen: alle Malsachen (inkl. Schreibtischlampe!) , alle zusätzlichen Bücher, alle Schuhe außer Filzpatschen (Wärme!), Wander- und Sportschuhe. Stattdessen würde ich mir eine Begleitung mitnehmen. Denn wenn man so wie ich, ab Tag 2 einen Tisch voller Schweiger zugewiesen bekommt, macht das Essen noch weniger Spaß!

Das mit dem Tee- und Saftfasten lass ich jetzt mal. Ein Bisschen (sic!) Essen ist auch gut.

Fasten next try – Exkurs: Einlauf

Fasten next try – Exkurs: Einlauf

Das Ding ist 40cm lang.
Und jetzt überlasse ich euch mal eurer Fantasie…

Und so ist es wirklich

Zunächst: Der Einlauf ist optional. Vor allem beim Obst/Gemüse-Fasten. Beim Saft/Teefasten wird er schon dringend empfohlen, da der Darm mit dem Fasten seine Tätigkeit einstellt und die Flankerln, die in der Suppe/Tee schwimmen, sonst drin verbleiben würden. Die Alternative ist ein Abführmittel. Ich persönlich finde das (mittlerweile) deutlich unangenehmer: Es wirkt wann es – und nicht wann ich – will und ich habe den ganzen Tag das Gefühl habe, aufs Klo zu müssen.

Also: Einlauf. Natürlich hat auch mich das lange Plastikröhrl zunächst mal verschreckt. Aber hier geht man ganz entspannt mit dem Thema um: Es ist ein durchaus gebräuchliches Tisch-Thema. Frau (Mann eher nicht…) gibt sich Tipps wie es am besten geht, Erfahrungsaustausch halt. Und es gibt eine eigene Einschulung, die ich leider verpasst habe, weil ich mir ja unbedingt das KH Zwettl von innen anschauen musste. Zudem hat mir meine Klosterberg-erfahrene Freundin Ines schon erzählt wie „harmlos“ – im wahrsten Sinne des Wortes – diese Anwendung ist.

Meinen ersten erinnerlichen – und bisher auch letzten – Einlauf bekam ich während der Geburt meiner Tochter. Das ist immerhin 25 Jahre her. Und das war traumatisch. Ich habe das in ganz furchtbarer Erinnerung. Es war extrem unangenehm und demütigend. Meine Begeisterung, das nochmal zu erleben war daher enden wollend.

Doch das Über-ich und die Fastenkollegin, die in der Endoskopie arbeitet, haben es mich dennoch versuchen lassen. Und siehe da: Voll nicht schlimm.

Hier die Wohlfühl-Komponenten

  1. Ganz nahe am sicher freien WC.
  2. Der Boden soll nass werden dürfen.
  3. For your eyes only: Nur ihr mit euch. Auch so, dass keiner zufällig hereinkommen kann.
  4. Not hot! Achte auf wirklich lauwarmes Wasser.
  5. Die Wassermenge auf 2 x aufteilen. Also erst 1 Liter. Wenn der wieder draußen ist, der nächste.
  6. Lage, Lage, Lage: Leg dich auf die linke Seite. (Insider-Tipp der Endoskopin: Den Schlauch auch eher Richtung links führen, da kann er leichter der natürlichen Form des Darms folgen.)
  7. Flutschi – etwas Öl o.ä. damit der Applikator gleitfähiger ist (Finger dann aber säubern, sonst kann man das Ventil nicht gscheit öffnen!)
  8. Luft raus! Vor dem Einführen die Luft aus dem Schlauch lassen.
  9. Langsam, langsam: Es muss nicht volle Pulle sein, mal das Ventil nur halb aufdrehen.
  10. Für Fortgeschrittene: Wenn die gesamte Wassermenge drin ist, das Becken heben, damit das Wasser noch weiter aufsteigen kann.

Manchmal kommt der Inhalt sofort wieder raus. Manchmal konnte ich ihn 1 Minute oder so drinbehalten, was natürlich wirksamer ist. Manchmal auch auf 3 Mal. Tagesverfassung nehme ich an.

Das „Schöne“ am Einlauf ist: Wenn das Wasser wieder draußen ist, ist es vorbei und man hat – nicht wie beim Abführmittel – stundenlang das Gefühl, man könne sich nicht aus dem Haus trauen. Geschweige denn auf ein 2stündige Wanderung mit der Wandergruppe… Und damit überlasse ich euch nochmals den Bildern in eurem Kopf!

Demnächst gibt´s schönere Bilder und ein Fazit.

Fasten next try – bis Tag 5

Fasten next try – bis Tag 5

Alles wird gut

Mittlerweile geht es mir wieder gut. Ich bin morgens zwar meistens sehr wackelig auf den Beinen, aber im Laufe des Tages bessert sich das. An den ersten beiden richtigen Fastentage habe ich kaum am umfangreichen Programm hier teilgenommen. Vor allem um die täglichen begleiteten Wanderungen ist es schade, aber mangelnde Energie und wirkliches Schietwetter (wie meine Freundin Corine in Hamburg sagen würde) halten mich davon ab. Ich lungere in der Biosauna, in der Salzgrotte und im Bett herum. Das ausgezeichnete Buch, das ich gerade lese, Donna Tart, Der Distelfink, vertreibt mir die Zeit. Wobei mir das Buch durchaus manchmal aus der Hand fällt 😉

An Tag 3 war ich zum ersten Mal im hauseigenen Fitnesscenter. Nicht, dass ich mich wieder kräftig gefühlt hätte, aber mein Über-Ich ließ kein weiteres Lungern zu. Und siehe da: Es tat mir gut. Nach einer Stunde Gehen am Laufband hatte ich sogar noch Kraft für ein paar Muki-Übungen.

Abends gabs einen sehr spannenden Vortrag: „Naturlandschaft Waldviertel“. Gehalten wurde er von einem hiesigen Jäger! (Der Teil mit der Jagd war auch interessant, weckte aber doch viel Widerspruch in mir. Wusstet ihr zum Beispiel, dass in Österreich jährlich 65.000 (!) Füchse abgeschossen werden! Und das gesamte Tier, inklusive Pelz, wird entsorgt!) Vor dem kritischen Teil erzählte uns Kurt, der Jäger, über die Entwicklung des Waldviertels von einer Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft, über die wirtschaftlichen Verhältnisse, wie und wovon die Menschen hier gelebt haben und leben. Wir lernten Begriffe wie „Bühel, Kobel, Roan“, warum die Landschaft hier überall terrassiert ist, welche Formen der Bewirtschaftung sich durchsetz(t)en und wie sich die Klimakrise und der Biodiversitätsverlust speziell im Waldviertel auswirken. Gespickt mit vielen persönlichen Erlebnissen und Anekdoten. Kein Wunder, dass der Vortragende die geplante Dauer um 1,5h überschritt!

Letztlich mündete der Vortrag jedoch in eine Rechtfertigung der Jagd. Ich konnte sehr viele Argumente für die Jagd sehr gut nachvollziehen. Vor allem wenn man die Jagd mit der herkömmlichen „Fleischerzeugung“ vergleicht. Was mich allerdings echt abgetörnt hat, war die Tatsache, dass Kurt auf seiner Website Jagdreisen anbietet. Und das hat definitiv nichts mit nachhaltiger Wild- und Waldbewirtschaftung zu tun, sondern mit der Befriedigung von Mordlust. Aber das ist eine Diskussion, die an dem Abend nicht führen wollte.

Auf geht´s

Heute nehme ich an der Wanderung teil. Wobei mir die Entscheidung nicht leicht fällt: Es schneit und ich weiß nicht, ob ich durchhalte. Zumal ich heute schon Aquagymnastik hinter mir habe… Über-ich übernimmt allerdings wieder die Kontrolle: hinein in die Merinounterwäsche, Mütze, Handschuhe und Walkingsticks, mit denen ich einfach nicht zurechtkommen. (Kurt nennt die Walker übrigens „Schneckenstecher“ und ich finde das sehr amüsant 🙂

Wir gehen flott, obwohl das hier die langsame – pardon „gemäßigte“ – Gruppe ist. Nichtsdestotrotz komme ich bei den zahlreichen Anstiegen ordentlich ins Keuchen. Aber die Landschaft entschädigt. An einem Teich kommt die Sonne heraus, während es immer noch schneit, ein geradezu kitschiger Moment! Ob ich heute allerdings noch das Tanzworkout und die Yogaeinheit mache, ist nicht gesichert!

Leider sieht man hier den Schnee gar nicht…

Upcoming

Beim nächsten Mal wirds intim: Zum fixen Bestandteil der Fastenkur gehört der Einlauf. Aber der „echte“. So stay tuned!

Fasten next try 1

Fasten next try 1

oder wie ich eine Ehrenrunde im KH Zwettl einlege

Nach meinem halb gescheiterten Versuch im November 2021 in Marienkron, starte ich nun einen neuen im Waldviertel am Klosterberg. Es war nicht ganz einfach überhaupt einen freien Platz Ende März/Anfang April zu bekommen. Klosterberg war zunächst ausgebucht (wie immer im Frühling, wie ich mir hier sagen hab lassen), Pernegg ebenfalls – zumindest jene Fasten-Kurse, die ich gerne gemacht hätte – wie Fasten & Golf zum Beispiel. Das Biohotel Daberer in Kärnten ist geschlossen, weil es grad umgebaut wird. In der Fastenbranche müsste man sein!

Am Montag dann der überraschende Anruf: Es ist jemand ausgefallen, ich kann am Donnerstag anreisen! Allerdings nur ein weniger schönes Zimmer. Keine Zeit, großartig nachzudenken. Gut so.

Die Fahrt nach Langschlag zaht sich. Beinahe werde ich nervös, weil ich keinen Pass mithabe und gefühlt jeden Moment die Grenze überquere. Stimmt natürlich nicht. Nach 1h45 durch leider noch sehr braune Landschaft mit gelben Klecksen (Forsythie) komme ich doch an. Bin erstaunt wie groß Langschlag ist… (Wie ich später erfahre, gibt´s hier sogar eine Rot Kreuz Station!)

Das Hotel

Foto: Daniel Zangerl

Hell, freundlich, naturnah mit vielen Pflanzen. Großzügige Aufenthaltsräume, die Mitarbeiter:innen extrem freundlich – mit allen per du.

Mein Zimmer ist – wie angekündigt – ok. Die Tatsache, dass ich keinen Balkon habe, ist insofern nicht schlimm, als es eh seit meiner Ankunft, also seit 4 Tagen, regnet (stimmt faktisch nicht, es sind nur drei, davon der Tag, den ich zu zwei Drittel im Krankenhaus verbracht habe.). Der Vorteil: Mensch verbringt ohne Reue viel Zeit im wirklich sehr schönen Wellnessbereich. Es gibt zwei Saunen, eine davon für mich weil nur 60 Grad, ein riesiges Schwimmbecken, nicht für mich, weil ich nur bade und nur sehr ungern schwimme. Ein Dampfbad, da war ich noch nicht aus Kreislaufgründen, eine Infrarotkammer, eine Salzgrotte und herrliche Liegebereiche. Seit neuestem gibt es hier auch diese Schaukelliegen, in denen mir im Nu schlecht wird. Aber sie sehen sehr schön aus!

Gesundheitshotel Klosterberg außen
Foto: Daniel Zangerl

Der Plan…

…wäre gewesen 10 Tage Tee- und Saftfasten. Ich habe diesmal schon ein bisschen vorgefastet, um nicht ganz so unsanft runterzukrachen. Allerdings habe ich am Donnerstag noch gut mit dem Mann gefrühstückt und – ich gestehe – einen Kaffee getrunken. Hier gibt es als erste Mahlzeit zu Mittag noch gekochte Kartoffeln mit gemischtem Gemüse – eine ordentliche Portion, die ich nicht ganz aufesse. Dazu trinke ich jetzt schon viel Tee. Am Nachmittag gehe ich in das super ausgestattete Fitnesscenter für 1 Stunde Cardiotraining am Stepper. Abends (Pensionistenheim-Zeit) gibt´s eine Suppe. Meine Tischnabarinnen sind sehr nett und wir habens gleich lustig. Alles scheint gut.

Die Wirklichkeit…

…spielt sich anders ab: Ich lese. Die Zeit vergeht. Ich lese. Ich habe seltsames Herzklopfen. Ich lese. Es beginnt irgendwo zu Rauschen. Ich halte mein Ohr an die Wand meines Zimmers, muss aber feststellen, dass das Rauschen in mir ist. Meine Oberschenkel beginnen sich immer wieder zu verkrampfen. Ich mache eine Entspannungsübung und lese weiter. Mir wird schlecht. Ich stehe auf, öffne das Fenster, atme tief ein und aus. Es ist 23h, im Hotel ist alles ruhig, die Rezeption schon lange nicht mehr besetzt. Im Bademantel schleiche ich durch die Gänge und suche den Fitnessraum, dort gibt es ein Blutdruckmessgerät. Der Fitnessraum ist versperrt. Ich google und lese was von Schlaganfall. Wenn man Sehstörungen hätte, müsse man unbedingt SOFORT die Rettung rufen. Mir poppen die Augen aus den Höhlen. Ich erinnere mich an die Beschreibung Joachim Meyerhoffs Schlaganfall in „Hamster im hintern Stromgebiet“ und will die Rettung rufen.

Doch wie peinlich ist das denn mitten in der Nacht, mitten im Waldviertel, in einem Hotel am ersten Abend die Rettung zu rufen?!?

Meine Backen sind rot, die Augen auch. Ich zittere. Es ist ein Uhr nachts und ich rufe 1450 an – geht übrigens auch in NÖ. Nach ein paar gezielten Fragen sagt der sehr sachliche Mensch am Telefon: Ich schicke ihnen die Rettung. Ich wecke telefonisch den Hotelchef – extreme Scham -, ziehe mich an, packe Telefon, Akku und Buch in die Handtasche und tapse in die dunkle Lobby. Und da sind sie schon. Ich bin erleichtert, dass die Hoteltüre aufgeht wie angekündigt. Im Krankenwagen wird mein Blutdruck gemessen: 180 zu irgendwas. Und ab geht´s nach Zwettl, denselben Weg zurück, den ich ca. 12h vorher gefahren bin.

Im Krankenhaus herrscht totale nächtliche Ruhe. Auf der internen Abteilung kümmern sich 3 Frauen sehr freundlich um mich. Mir wird Blut abgenommen, der Blutdruck ist mittlerweile auf 165 gesunken. Ich werde stationär zumindest über diese Nacht aufgenommen. Ich bekomme ein Beruhigungsmittel (Scham). Im Bett neben meinem schläft eine 88-Jährige (wie ich ein paar Stunden später erfahre), die immer wieder Atemaussetzer hat und dann lautstark nach Luft schnappt. Immer wieder fiepst und piepst es. Auf meiner anderen Seite liegt Gertrude, die 7 Kindern, 9 Enkerln, die alle „was wurn san“, hat. Ich weiß jetzt von allen was sie wurn san, und wo sie gelernt haben, wo sie jetzt leben und arbeiten und natürlich die Vorgeschichte der Gertrude, die den ganzen Ort schockierte, weil sie 6 Monate nach der Hochzeit schon das erste Kind gebar! „Jo die Liebe woar hoit groß!“)

Shortcut: Ich fuhr am Nachmittag desselben Tages wieder ins Hotel zurück, wieder mit der Rettung mangels Taxi oder öffentlichem Verkehr. Der Arzt riet mir vom Fasten ab („Mir krieagns dann immer die von da oben.“), sagte mir aber eindringlich, dass ich unbedingt zum Gemüsefasten wechseln solle, wegen der Elektrolytverschiebung – kenn ich ja schon aus 2021. Also wieder nix mit nix essen. Ich werde es auch in den nächsten Jahren nicht mehr probieren. Mein Körper (oder Kopf?) schafft das offenbar nicht. Obwohl ich meinem Darm wirklich mal eine Erholungspause gönnen wollte. So mit gar nix tun. Naja. Dafür beneiden mich jetzt meine (ex-)Tischnachbarinnen, wenn ich morgens eine Apfel-Heidelbeermus bekomme oder gestern „Abend“ (i.e.16.30h) einen Borschtsch. Ich dope mich mit Natriumchlorid, Kalium und Magnesium und hoffe, dass ich die verbleibende Tage auch irgendwie genießen werde können.

Foodporn nur eingeschränkt möglich, weil das Handy meisten am Zimmer bleibt…

Chili-Kreuzkümmel-Karotten auf Erbsen-Kartoffelpurée und Chinakohlsalat mit Erdnussdressing*
Apfelmus-Heidelbeer-Mus

*Es ist schon klar, dass es sich hier um Marketing-Bezeichnungen handelt! Kein Salz, kein tierisches Eiweiß, kein sonstwas Ungesundes. Das heißt, es schmeckt schon sehr anders, als der Name suggeriert!

Topfenauflauf – wenig Kalorien, wenig Arbeit, viel Geschmack

Topfenauflauf – wenig Kalorien, wenig Arbeit, viel Geschmack

Zutaten für 4 Dessertportionen oder 2 Hauptspeisen

4 Eier
50g Kokosblütenzucker
250g Topfen 20%
70g Mehl (ich hab glutenfreies Mehl genommen)
Mark 1 Vanilleschote oder 1 Packung Vanillezucker
1 EL Honig
1 EL Kristallzucker
1 EL Butter
1 TL Backpulver

Zubereitung

Eier trennen, Eiweiß zu Schnee schlagen. Dotter mit Zucker, Vanille schaumig schlagen. Mehl (bei glutenfreiem empfiehlt sich, es hineinzusieben), Backpulver, Topfen einrühren. Eischnee drunterheben.

Butter in einer beschichteten, ofenfesten Pfanne schmelzen, EL Honig & EL Kristallzucker karamellisieren lassen (muss nicht sein, kann man auch weglassen). Teigmasse einfüllen und im Rohr bei 180 Grad Umluft goldbraun backen.

Mit Apfelmus, Marillen- oder Zwetschkenröster servieren.

Ich mache den Topfenauflauf auch manchmal wie Kaiserschmarren in der Pfanne. Dann müsst ihr ihn allerdings überwachen und beizeiten umdrehen.

Elisabeth Lechner, Riot, don´t diet!

Elisabeth Lechner, Riot, don´t diet!

Autor*innen sind im Normalfall ja nicht greifbare, beinahe mystische Wesen, deren tatsächliche Existenz für die gemeine Leserin mitunter durchaus fraglich ist: Welcher echte Mensch schafft es schon, ein ganzes Buch zu schreiben? (Wo ich doch schon an manchen Sätzen scheitere?) Welcher echte Mensch hat so schlaue Gedanken? Wer kann so eine gute Geschichte konstruieren? Wer kann so unglaublich (sic!) gut formulieren, hat so einen Witz, weiß so viel, hat so ein Durchhaltevermögen, etc…

Elisabeth Lechner – also Dr. Elisabeth Lechner, BA BA, MA MA – ist allerdings die leibhaftige Beweis für die Existenz solcher Wesen: Ich konnte sie nicht nur persönlich hören und sehen, sondern auch schon umarmen! (Und das in virologisch bedenklichen Zeiten!) Es gibt sie also wirklich, die blitzgescheiten, witzigen Autor*innen! Zudem ist Eli Lechner auch noch sehr eloquent und trägt mitreißend vor. Soll heißen: Lest nicht nur ihr Buch, sondern geht zu einer Veranstaltung, bei der sie spricht!

Mir war das zuletzt gegönnt bei der Auftaktveranstaltung der #somec22 der Social Media Conference der Grünen Wirtschaft. Diese jährlich stattfindende Konferenz, die meine Kollegin Bobby Hermann-Thurner organisiert, widmete sich Ende letzten Jahres (u.a.) dem Einfluss des Äußeren auf den (beruflichen) Erfolg. Und da kam Eli Lechner als Key-Note-Sprecherin mit ihrem Buch Riot, dont diet, mehr als recht!

Aufstand der widerspenstigen Körper

Riot, don´t diet ist der (populär)wissenschaftlich Aufschrei gegen (patriarchal-kapitalistische) Schönheitsnormen. Lechner macht bewusst, wie wir uns – mehr oder weniger freiwillig – dem Diktat dieser Normen unterwerfen, welche Formen der Diskriminierung daraus entstehen und wer davon profitiert.

Dick, alt, behindert, non-binär, Haare an der falschen Stelle = eklig! Eklig bedeutet aber natürlich auch weniger (bis keine) Repräsentation, weniger Chancen im Beruf, versteckte bis hin zu offener Diskrimierung, im Extremfall sogar Morddrohungen!

Über diese Bestandsaufnahme hinaus geht die Kulturwissenschafterin der Frage nach, wie digitale Medien diese Einstellungen und Verhaltensweisen verstärken, bzw. ob nicht gerade erst dank dieser Vernetzung und gemeinsamer Kampf möglich wird.

Moralinsaure Vorträge sind Lechners Sache nicht. Ihr Schreibstil ist leichtfüßig, gespickt mit (manchmal sehr betroffen machenden) Anekdoten und vielen Referenzen.

Wer sagt(e) mir, was ich schön zu finden habe?

Mit einigen Themen des Buches habe ich mir richtig schwergetan. Natürlich bin auch ich geprägt durch jahrezehntelanges Brainwashing! Was, mein lebenslanger Kampf gegen Fettpolster soll nicht intrinsisch motiviert sein? Was, mensch kann auch mit 20 kg mehr glücklich sein!? Ich rasiere meine Achseln++ (also eigentlich alles außer Kopf- und Augenhaare) vielleicht gar nicht, weil ich das will, sondern weil es andere wollen? Alles Fragen, die mensch sich nicht gerne stellt. Auch will frau nicht gerne gesagt bekommen, dass „normschöne“, noch dazu weiße, noch dazu blondhaarige Menschen wie ich, extrem viele, einander verstärkende (= intersektionale) Privilegien genießen…

Tatsache ist, dass wir alle Menschen – auch uns selbst – zu sehr nach ihrem Äußeren beurteilen. Machen wir uns das bewusst. Treten wir mutig & laut gegen Diskriminierung auf. „Verschönern“ wir lieber unser Inneres – das strahlt nach außen!

Die so gewonnene Zeit und Energie benötigen wir ohnedies dafür, den Männern die Macht zu entreißen, und den Planeten zu retten!

Elisabeth Lechner
Riot, don´t diet
Kremayr & Scheriau, Taschenbuch, 2021
240 Seiten, 978-3-2218-01254-6

Erster Satz

„Es ist Zeit für eine Schönheitsrevolution, einen Aufstand der wiederspenstigen Körper!“